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Zwoelf Weisheiten fuers neue

Zwölf Weisheiten für das neue Jahr

27.12.2012 | 09:55 |  Von Nikolaus Koller, Andrea Lehky, Jürgen Leidinger, Yvonne Widler und Johanna Zugmann (Die Presse)

Die nächsten Monate werden im Job-Leben herausfordernd: Die Karrieren-Redaktion der „Presse“ hat ein Dutzend Empfehlungen für Sie erarbeitet, wie Sie beruflich besser vorankommen. Prosit!

  • Beugen Sie Nostalgie vor

Im Nachhinein scheint vieles besser als es war. Stress bis an die körperlichen Leistungsgrenzen: „Da haben wir ordentlich reingearbeitet, das war großartig.“ Gähnende Bürolangeweile: „Damals hatte ich noch Zeit für mich.“ Umdeutungen sind keine schlechten Angewohnheiten, sondern Psychologie. So tickt der Mensch. Erinnern Sie sich an Ihre drei schlimmsten beruflichen Episoden von 2012 und erteilen Sie sich ein absolutes Nostalgieverbot.

  • Hinterfragen Sie Prognosen

Fragen Sie wirklich jeden, der Ihnen auch nur für den kleinsten Spezialbereich eine 2013er- oder 2020er-Prognose vorbetet, wie denn vor fünf Jahren seine Prognosen für 2008 oder für heute ausgesehen haben. Es heißt, dass die Zunft der Prognostiker so gut lebt, weil sie niemand nach ihren Prognosen von gestern fragt. Ändern Sie das, fragen Sie! 

  • Lernen Sie etwas Neues

Wenn es mit der Wirtschaft bergab geht (und damit vielleicht Ihr Work load im Job schrumpft), zahlt es sich aus, eine Ausbildung in einem neuen Bereich zu starten. Idealerweise können Sie damit schon im nächsten Aufschwung beruflich reüssieren.

  • Lesen Sie Branchenfremdes

Wann war die letzte Türkenbelagerung? Haben Sie eine Meinung zu Thomas Manns „Zauberberg“? Was ist der  Long-Tail-Effekt? Lesen Sie mal wieder ein Buch! Ganz gleich ob Sachbuch, Fachbuch oder Literatur – einzige Bedingung: Es hat nichts mit ihrem Job zu tun. Bildung ist eine der wenigen Möglichkeiten, sich von stromlinienförmigen Ganztags-Karrieristen abzuheben. Und nein, man kann sie mit keinem Weiterbildungsseminar buchen.

  • Nutzen Sie Informationsnetze

Networking hat seinen Zenit überschritten: Sicher geben gute Kontakte auch in unsicheren Zeiten Halt. Für Manager, die im Nebel navigieren, ist ein gesicherter Informationsvorsprung allerdings noch viel wichtiger als Seilschaften. Wer diese Kommunikationsknoten in seinem Netzwerk hat, der ist 2013 auf der sicheren Seite.

  • Planen Sie Gehaltsknicks ein

Regelmäßige Gehaltserhöhungen, Biennien und mit dem Alter steigendes Einkommen – vergessen Sie's. Viel wahrscheinlicher sind Knicke, Sprünge und vielleicht auch Abstürze, jedenfalls aber Rückschritte in späteren Jahren. Wunsch ans Christkind: dass HR sich faire, flexible Gehaltsmodelle ausdenkt, nach denen Jung und Alt nebeneinander arbeiten können. Besser als die „teuren Alten“ aus dem Unternehmen zu kicken.

  • Profilieren Sie sich

Großveranstaltung zu einem interessanten Thema. Nach der Podiumsdiskussion die Einladung ans Publikum, mit den Experten in den Dialog zu treten. Die Menge schweigt. Eisern. – Nicht Sie. Sie treten aus der anonymen Masse heraus, mit einer ebenso klugen wie geistreichen und interessanten Frage (die Sie längst vorbereitet haben) und brechen das Eis. Natürlich sagen Sie am Anfang, wer Sie sind und was Sie wo tun. So machen Sie sich einen Namen, nicht nur beim Podium, sondern auch beim Publikum.

  • Reflektieren Sie

Nehmen Sie sich Zeit zur Selbstreflexion! Diese ist eine der nützlichsten Fähigkeiten, um – beruflich wie privat – voran zu kommen. Einerseits dient sie der Persönlichkeitsentwicklung, andererseits unterstützt sie das Erreichen persönlicher Ziele.

  • Satteln Sie um

Verabschieden Sie sich vom Gedanken, Ihren erlernten Beruf ein Leben lang auszuüben. In den USA geht man von bis zu sechs komplett unterschiedlichen Berufen im Laufe eines Arbeitslebens aus. Manche sind logische Weiterentwicklungen, manche unausgelebte Seiten der Persönlichkeit, die ans Licht drängen. Halten Sie die Augen offen: Die Ideen dafür laufen Ihnen überall über den Weg.

  • Seien Sie sozial

Soziale Kompetenzen sind die Schlüsselqualifikation für beruflichen Erfolg. Sie sollten fähig sein, in guter Weise mit anderen Menschen umzugehen. Wer es schafft, einen Ausgleich zwischen sozialer Anpassung und den eigenen Bedürfnissen zu verwirklichen, dem stehen viele Türen offen.

  • Schreiben Sie Ihre Kündigung

Ihr aktueller Job mag Ihnen noch so lieb sein – stellen Sie sich trotzdem vor, jemand zwingt Sie, morgen zu kündigen. Wie würden Sie diesen Schritt Ihrem Chef gegenüber argumentieren? Was nervt Sie, wo läuft etwas falsch, in welchen Bereichen empfinden Sie sich als unterschätzt? Verfassen Sie ein sachliches Schreiben, in dem Sie alle Gründe für einen Jobwechsel festhalten. Bewahren Sie das Dokument an einem sicheren Ort auf. Es kann ihnen a.) als Grundlage für ein reales Mitarbeitergespräch dienen oder b.) als ungemeiner Trost, falls der Job einmal tatsächlich weg ist.

  • Warten Sie nicht

Der Konjunkturhimmel wird im kommenden Jahr wolkenverhangen sein. Das wird die Transformationsprozesse, in denen sich einige Branchen – wie Medien, Pharma oder Banken – befinden, noch beschleunigen. Diese „Umstrukturierungen“ kosten oft Jobs. Wer aus solchen Sektoren hinaus möchte, der sollte schnell Fersengeld geben, bevor andere die möglichen Auswegchancen in anderen Bereichen besetzt haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2012)

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