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Alternativen für „Homeoffice-Geschädigte“

21.12.2012 | 11:04 | Nikolaus Koller (Die Presse)

Coworking Spaces. Diese „WGs für Gründer“ sind unter Selbstständigen beliebt: Sie bieten neben Arbeitsplätzen vor allem auch Netzwerk und Ansprache. Dadurch entstehen neue unternehmerische Ideen.

Die Grundidee hat etwas von einer WG: So wie es Studierende, die sich keine eigene Wohnung leisten können oder wollen, in eine Wohngemeinschaft mit anderen zieht, so schätzen auch junge Start-ups die geringen Kosten sowie den Austausch mit anderen Gründern in einem Coworking Space. Dort hat jeder seinen eigenen Arbeitsplatz, es gibt Kaffeeküchen oder Lounges, wo man sich trifft und austauschen kann und auch Rückzugsmöglichkeiten, wenn man einmal seine Ruhe benötigt.

Start-up-Fachmann Gerold Weisz von der FH Oberösterreich spricht denn auch von Coworking Spaces als „Gründer-WGs“: „Es geht allerdings um mehr, als bloß darum, Kosten zu sparen“, fügt der Leiter des Transferzentrums für Entrepreneurship und Unternehmensgründung hinzu: „Durch das gemeinsame Arbeiten soll unternehmerischer Mehrwert geschaffen werden. Die Gründer sollen sich miteinander austauschen, Ideen verwirklichen.“ Im Akostart Coworking Area in Linz, das von der FH Oberösterreich sowie weiteren Bildungsinstitutionen initiiert wurde, werde dieser Gedanke gelebt: Zehn Start-ups arbeiten hier auf 240 Quadratmetern.

„Arbeiten, kollaborieren“

Mit 600 Quadratmetern zählt der Sektor 5 in Wien-Margareten zu den größten Coworking Spaces des Landes: Laut Initiator Yves Schulz werden 65 Arbeitsplätze angeboten – davon seien aktuell etwa 60 gebucht. Das Ziel der Wiener „WG“ ist allerdings dasselbe wie bei ihrem Linzer Pendant: „Bei uns geht es um Community, darum, dass die Gründer miteinander arbeiten, kollaborieren“, sagt der ehemalige IT-Manager, der den Sektor 5 vor zwei Jahren gegründet hat. Treffpunkte für Einzelunternehmer und Gründer seien wichtig (siehe auch unten stehenden Beitrag zum Forum EPU), denn viele sind „Homeoffice-Geschädigte“, wie Schulz das nennt:

Von zu Hause aus arbeiten wirke attraktiv, doch oft fehle die Effizienz dabei. Die Gefahr der Ablenkung sei zu groß. Einige Unternehmer würden dann zum Arbeiten an öffentliche Orte oder in Kaffeehäuser auswandern. „Doch auch das stellt keine Lösung dar. Einfach weil die Ansprache fehlt“, sagt Schulz. Im Coworking Space gebe es hingegen jederzeit die Möglichkeit zum Austausch. „Wir fördern das auch mit gemeinsamen Mittagessen.“ Und es komme auf diesem Weg – so wie Weisz das schon betonte – auch zu neuen, kreativen unternehmerischen Initiativen.

Wie vielfältig die Coworking-Space-Landschaft ist, zeigt auch das Wiener Treibhaus: Dieses Projekt ist ganz auf den Bereich „Cleantech“ spezialisiert. Der Fokus liegt auf Technologie gepaart mit einem nachhaltigen Ansatz, erklärt Hannes Offenbacher. Dessen Unternehmen Mehrblick fungiert als Kurator des 280 Quadratmeter großen Coworking-Spaces im Wiener Palais Eschenbach. Träger des Projekts ist der Österreichische Gewerbeverein, der auch die Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Mieter geht, Community bleibt


Sein Ziel ist klar: „Der Cleantech-Bereich ist zwar schon eine Branche, es hat sich allerdings noch keine lebendige Szene entwickelt.“ Genau diese Entwicklung möchte der Unternehmer mit seinem Projekt im Treibhaus unterstützen. Eröffnet wurde es im Mai diesen Jahres, laut Offenbachers Angaben sind aktuell vier Unternehmen eingemietet: „Eine Szene kennt sich, unterstützt sich, arbeitet miteinander.“
Wer sich entfalten will, der muss aber auch mal flügge werden, so wie in jeder WG: „Wer zu groß geworden ist, der muss auch mal raus“, sagt Weisz. Die Verbundenheit bleibt: Die Community des Sektor 5 sei bereits 180 Unternehmer groß, so Schulz.


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