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Projektjaeger Wohlfuehlunternehmer

„Projektjäger“ und „Wohlfühlunternehmer“

06.12.2012 | 17:13 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Trends. Eine Geschäftsidee nach der anderen verwirklichen, mehrere Arten von Selbstständigkeit gleichzeitig angehen – wie ein Ein-Personen-Unternehmen zu arbeiten wird für immer mehr zur (Job-)Realität.

Reinhard Margreiter hat schon viele Erfahrungen mit Selbstständigkeit gemacht: Der gebürtige Salzburger, der seit dem Studium in Wien lebt und arbeitet, war mit einem Ingenieurbüro, einem Handelsunternehmen im Bereich Unterhaltungselektronik und Fotozubehör, sowie seit nun drei Jahren als Energieeffizienz-Berater unternehmerisch tätig. Daneben arbeitet er auch selbstständig als Heilmasseur. „Da mache ich ein bis zwei Behandlungen pro Tag. Das ist eine gute Ergänzung für mich“, sagt Margreiter. 

Er sei einfach vielseitig interessiert, wollte Verschiedenes machen, erklärt der Ein-Personen-Unternehmer (EPU) seinen Werdegang: „Ich bin flexibel, kann mich immer wieder umorientieren, bin nicht fremdgesteuert.“ Die Beratung von Klein- und Mittelunternehmen (KMU) in Energiefragen, die Ausstellung von Energieausweisen sowie Nachhaltigkeitsberatung sei jedenfalls ein Zukunftsfeld, in dem er sich aktuell sehr wohl fühle. Auch könne er gerade als EPU arbeiten, wo er wolle. „Ich glaube schon, dass es in Zukunft gut ist, verschiedene Standbeine zu haben – der Arbeitsmarkt wird ja immer flexibler“, meint Margreiter.

„Megatrend Individualisierung“

Vielseitige Interessen, bunte Karrierewege und eine klar selbstbestimmte Art zu arbeiten – diese Tendenzen bestimmen den Alltag von immer mehr Beschäftigten und Selbstständigen, sagt Trendforscher Franz Kühmayer. Generell gehören EPU – die aktuell bereits mehr als die Hälfte der heimischen Betriebe stellen – zu den „Beschäftigungsverhältnissen der Zukunft“, wie der Gründer und Geschäftsführer der Strategieberatung Reflections Research & Consulting ergänzt.

Erstens wollten immer mehr Menschen selbstständig arbeiten – Zukunftsforscher Kühmayer spricht dabei vom „Megatrend Individualisierung“ – und zweitens hätten in den letzten Jahren gerade auch mittlere und große Unternehmen Mitarbeiter wie Führungskräfte abgebaut, die sich nun neu orientieren. Doch auch in den Firmen gebe es eine Reihe von Menschen, die „mit ihren Karrieren anstehen“, und sich daher verändern wollen. „Die verfügen oft über ausreichende Kompetenzen und denken sich – die könnte ich ja auch für mich selbst vermarkten“, argumentiert Kühmayer, der selbst früher in der obersten Managementebene tätig war.
Auch in anderer Hinsicht ist Ein-Personen-Unternehmer Margreiter für den Zukunftsforscher ein Prototyp des „Futurepreneurs“, also eines Unternehmertyps der Zukunft (siehe Info-Box rechts). Auch während der beruflichen Vita immer wieder umzusatteln und andere (selbstständige) Tätigkeiten zu verfolgen, werde immer mehr zunehmen.

Ende der „industriellen“ Vita

Den Unternehmer Margreiter würde Kühmayer ob seiner vielen selbstständigen Tätigkeiten sowie der Bedeutung, welche er seiner Tätigkeit als Heilmasseur beimisst, als Mischtyp zwischen einem „Projektjäger“, der immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, und einem „Wohlfühlunternehmer“, der quasi sein Hobby zum Beruf gemacht hat, bezeichnen. Mit dieser vielleicht unorthodox klingenden Vita ist Margreiter allerdings in guter Gesellschaft, wie Kühmayer betont.

Der „industrielle Lebenslauf“ – unter dem Kühmayer die drei Stationen Ausbildung, Arbeitsleben in meist derselben Branche und dann Pension subsumiert – wird durch ein „Portfolio“ abgelöst: In den verschiedenen Lebensphasen wechseln sich unterschiedliche Beschäftigungsformen ab, die Arbeitsverhältnisse ändern sich. Erwerbsbiografien werden dadurch „viel bunter und EPU zu sein ist in diesem Umfeld noch viel selbstständiger als es jetzt schon ist“.


Futurepreneure
Trendforscher Franz Kühmayer hat gemeinsam mit seinem Kollegen Harry Gatterer eine Typologie für die Unternehmer der Zukunft erstellt. Diese „Futurepreneure“ können in verschiedene Gruppen unterteilt werden. Unter ihnen finden sich auch die folgenden: Netzwerkakrobaten. Moderation gehört zu ihren Haupttätigkeiten: Sie vermitteln zwischen Menschen, moderieren Prozesse und entwickeln neue Sichtweisen. Erhalter. Sie beugen sich nicht dem Innovationsdruck, wollen Altes bewahren und mit besserer Infrastruktur zu neuem Leben erwecken. Wohlfühlunternehmer. Sie möchten etwas tun, was zu ihrem persönlichen Lebensstil passt. Arbeit ist ein Teil des Lebens, jedoch nicht der einzig bestimmende. Oft machen sie ihr Hobby zum Beruf. Projektjäger. Sie leben von und mit Netzwerken: Sie verwirklichen eine Idee – nicht selten ergibt sich daraus gleich wieder die nächste Geschäftsmöglichkeit. Sie sind stark verkaufsorientiert.


Unsere EPU-Serie bestand aus zehn Teilen, welche die in der Praxis wichtigsten Themen abdeckten. Hier zum Nachlesen nochmals die Links zu den anderen neun Teilen:

Teil 1: EPUs - Ein ganzes Unternehmen in einer Person

Teil 2: Finanzierung - Der nicht einfache Weg zum Geld

Teil 3: Sozialversicherung - "Man kann mit den Leuten reden"

Teil 4: Firmengründung - Weil jeder Cent zählt

Teil 5: Partnerschaften - Zusammen ist man weniger allein

Teil 6: Export - Schutzengel für Neo Exporteure

Teil 7: Kundenakquise - Die Scheu vor dem ersten Kontakt

Teil 8: Work-Life-Balance - Selbstständigkeit und Familie verknüpft

Teil 9: Mitarbeiter - Ich habe immer alles selbst gemacht

("Die Presse", Print-Ausgabe, 7.12.2012)

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