„Wir benötigen Spitzenleute“
06.12.2012 | 16:35 | Yvonne Widler (Die Presse)
Debatte. „Staat gleich fad?! – Der Staat als Arbeitgeber in Krisenzeiten“: Unter diesem Titel fand letzte Woche eine vom Uni Management Club organisierte Podiumsdiskussion statt. Experten aus der Praxis bewerteten die öffentliche und halböffentliche Hand.
Seit nun sieben Jahren findet die win²-Zukunftskonferenz statt. Regelmäßig folgen rund 150 Studierende und Young Professionals dem Ruf des Uni Management Clubs und denken gemeinsam über Zukunftsthemen nach. Letzte Woche wurde zum „Half Anniversary“ geladen, wo sich die Diskutanten eingehend mit den Vor- und Nachteilen staatlicher und halbstaatlicher Arbeitgeber beschäftigten.
Die Problematik liegt auf der Hand: Die meisten qualifizierten Absolventen wandern in die Privatwirtschaft ab, dabei braucht der öffentliche Bereich dringend gute Arbeitskräfte.
„Staat bringt Sicherheit“
„Vor allem die Staatsanwaltschaft benötigt Spitzenleute“, erklärt die ehemalige Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. „Der Bund hat bis Ende 2014 eine Aufnahmesperre. Diese läuft für fast alle Bereiche außer Justiz, Polizei, Schule und Steuerfahndung. Auch die Wirtschaftskammer ist auf der Suche nach neuem Personal. Man darf aber nicht vergessen, dass mit einem anderen Maßstab als in der Privatwirtschaft gemessen wird“, meint Rolf Gleißner, Arbeitsmarktexperte der WKO.
Georg Pölzl, CEO der Post, sieht genau hier die Problematik: „Der Staat bringt Sicherheit, aber keine Leistungsdifferenz.“ Auch Bandion-Ortner hält eine Reform, vor allem im Bereich der Gehälter, für unumgänglich. „Die Erwartung, dass man beim Staat immer nach acht Stunden Arbeit nach Hause geht, ist zudem definitiv falsch. Hier gibt es genauso All-in-Verträge“, erklärt Elisabeth Zehetner, Bundesgeschäftsführerin der Jungen Wirtschaft. Sie erkennt die Schwierigkeit der fehlenden Attraktivität des Staates nicht nur bei der Entlohnung: „Es ist auch das Umfeld, das einen erwartet. Der Staat hat einen Imageschaden. Das Bild vom übergewichtigen, gelangweilten und Wurstsemmel essenden Beamten, das jahrelang propagiert wurde, ist tatsächlich eine Barriere.“
„Gewerkschaften knacken“
„Österreich hat ein Problem mit der Selektion. Wir sind so auf Durchschnitt und Gleichheit trainiert, dass gute Leute keine Chance haben, für ihre Leistungen Anerkennung zu bekommen. Die Politik ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Deswegen gehen die Spitzenleute dort auch nicht hin“, meint Gleißner. „Leistungsbeurteilung ist im Beamtenwesen ein Schimpfwort und wird als Bedrohung gesehen. Egal ob Zentralmatura oder Universitätswesen. Überall kann man das beobachten. Man will es einfach nicht. Dazu kommen die starken Gewerkschaften, die sich querstellen und die man knacken muss“, argumentiert Pölzl.
Politisch: Nein danke
Wie politisch darf man eigentlich sein, um beim Staat zu arbeiten? „In jeder Position muss man sein Umfeld verstehen. Dafür braucht man politisches Verständnis, aber kein politisches Engagement. Es gibt gewisse Prägungen, die ich in meiner Umgebung nicht brauchen kann. Zu rein politischen Lebensläufen sage ich ganz klar Nein“, erklärt Pölzl. Einig war man sich darüber, dass die Kompetenz „politisches Grundverständnis“ für Staatsbewerber unerlässlich sei.
Auch in puncto Anerkennung zeigte man sich einverstanden: Es sei wichtig, Menschen in ihrem Stolz anzusprechen und einen gut verrichteten Job gerecht zu honorieren. Aus Sicht der Experten könnte Leistungsdifferenzierung den Staat als Arbeitgeber künftig attraktiver erscheinen lassen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 7.12.2012)













