Umgang mit Bewerbern wird besser
09.11.2012 | 12:16 | Nikolaus Koller (Die Presse)
Career's Best Recruiters. Laut der Studie behandeln österreichische Firmen Kandidaten professioneller als noch vor einigen Jahren. Die Topposition nimmt Deloitte ein.
Es ist ein differenziertes Zeugnis, das Studienautor und GPK-Geschäftsführer Markus Gruber und WU-Professor Wolfgang Elsik bei der Präsentation der Career's-Best-Recruiters-Studie den heimischen Personalabteilungen ausstellen: Der Umgang von je 500 Unternehmen in Deutschland und Österreich mit Bewerbern wurde untersucht, 55 Kriterien wurden berücksichtigt.
Bis zu 200 Punkte konnten erreicht werden – von diesen 100 Prozent der Gesamtpunktezahl liegen die Österreicher aber noch weit entfernt. Im Durchschnitt erreichten sie mit 43 Prozent weniger als die Hälfte aller möglichen Punkte. Für die Organisatoren trotzdem ein Fortschritt. Woher die Freude kommt? Im Jahresvergleich haben die heimischen Recruiter ihre Leistung um 15 Prozentpunkte verbessert. Im Jahr zuvor hatten sie im Schnitt – und weit hinter ihren deutschen Kollegen – nur 28 Prozent erreicht: „Heutzutage bewerben sich nicht mehr die Arbeitnehmer bei den Arbeitgebern, sondern die Arbeitgeber bei den Arbeitnehmern – dieser Paradigmenwechsel scheint endlich angekommen zu sein“, so Gruber.
Mehr Einblicke in die Betriebe
Auch in anderen Bereichen sind die „Noten“ der Personalabteilungen besser geworden: So würden immer mehr Betriebe einen Einblick in ihr Unternehmen geben. 45 Prozent zeigen Fotos aus dem Arbeitsalltag (2011: 39 Prozent), 41 Prozent stellen Mitarbeiter als Testimonials vor (29 Prozent) und etwa ein Drittel bietet die Möglichkeit zu Betriebsführungen an (14 Prozent). Während sich also der „Klassenschnitt“ verbessert, hapert es bei – vielen – anderen noch an den einfachsten Dingen. „Es gibt einen erschreckend hohen Prozentsatz von Unternehmen, die einfachste Standards des guten Benehmens und des professionellen Agierens nicht einhalten“, zeigt sich der Institutsleiter für Personalmanagement an der WU enttäuscht. So würden drei von zehn Initiativbewerbungen weiterhin nicht innerhalb von zwei Wochen beantwortet werden.
Freude herrscht naturgemäß bei den Musterschülern im Recruiting: Career's Best Recruiters hat die Unternehmen, die den besten Umgang mit ihren Bewerbern pflegen, gerankt (siehe Info-Box). Dabei konnte sich das Beratungsunternehmen Deloitte – im Vorjahr noch auf Platz vier – als „Klassenbester“ des Landes auszeichnen. „Nachdem wir bereits zwei Jahre die Consulting-Wertung gewonnen haben, freut uns dieser Gesamtsieg nun besonders“, sagt Gundi Wentner im „Presse“-Gespräch – die Unternehmensberater führen nach 2011 auch dieses Jahr das Branchenranking an. Auch dort ist Deloitte an Nummer eins gereiht. Die Partnerin Human Capital misst der Bewertung besondere Bedeutung zu, weil es sich – im Gegensatz zu anderen Wettbewerben, wie sie anmerkt – um ein unabhängiges Ranking handelt. Darüber hinaus sieht Wentner in den Untersuchungsmethoden auch die Vorgangsweisen bestätigt, „zu denen wir selbst unseren Kunden raten“.
Transparenz gefordert
„Als größter Human-Capital-Berater Österreichs suchen wir nicht nur für uns selbst nach den besten Talenten, sondern unterstützen mit unserer nunmehr ausgezeichneten Recruiting-Expertise auch Kunden beim Finden der idealen Mitarbeiter“, so Wentner weiter. Egal wo oder wie man mit Deloitte in Kontakt kommt, es gelte stets die gleiche Devise: Mit Bewerbern wird im gleichen Maße respektvoll umgegangen wie mit Mitarbeitern. Das bedeutet auch, dass der Bewerbungsprozess transparent ist und möglichst rasch durchgeführt wird.













