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Tabuthema Homosexualitaet

Tabuthema Homosexualität

08.11.2012 | 09:51 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Diversity. Schieflage in Unternehmenskonzepten: „Sexuelle Orientierung“ und „Religion“ abgeschlagen hinter „Geschlecht“, „Ethnie“, „Alter“ und „Behinderung“.

Sexuelle Orientierung ist noch immer die am wenigsten beachtete Facette im Diversity-Kontext. In den letzten Jahren hat sie sogar weiter an Aufmerksamkeit eingebüßt. Zu diesem Ergebnis kam die jüngste Studie der deutschen Ungleich Besser Diversity Consulting. Sie analysierte die Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte der EuroStoxx50-Konzerne und kam zu dem Schluss, dass die Dimensionen „Sexuelle Orientierung“ (neben „Religion“) durchgehend am seltensten erwähnt wird. Nur drei der 50 europäischen Unternehmen (sechs Prozent) nennen „LGBT“ (Lesbian/Gay/Bisexual/Transgender) im Geschäftsbericht, nur elf der 50 im Nachhaltigkeitsreport.

Zum Vergleich: Das Thema „Gender“ steht seit Jahren unangefochten an der Spitze, im jüngsten Bericht mit 68 Prozent. Dieselbe Studie zeigt, dass sechs Prozent der Diversity Manager selbst eine vom vorherrschenden Management abweichende sexuelle Orientierung haben. Bei „Gender“ gilt das für 61 Prozent der Diversity Manager – beide Zahlen korrespondieren mit der Themenpriorisierung.
Was für Europa gelte, gelte auch für Österreich, bekräftigt Manfred Wondrak, Sprecher und früherer Präsident der AGPRO (Austrian Gay Professionals). Er befragte die heimischen ATX-Konzerne – mit vergleichbarem Ergebnis. „Trotzdem müssen wir diese Unternehmen als Vorreiter betrachten. In KMU ist LGBT noch ein absolutes Tabuthema“ – sofern das Management nicht ein persönliches Interesse habe.

Lebenswelt statt nur Sexualität

Viele Betroffene hätten sich schweigend arrangiert, wünschten sich aber eine Thematisierung. Wondrak: „Das Bild des Partners auf den Schreibtisch stellen können. Oder ihn zur Weihnachtsfeier mitnehmen.“ LGBT sei nicht Privatsache, wie viele Firmenchefs glaubten: „Die meisten denken, mit der Möglichkeit Eingetragener Partnerschaften ist ohnehin alles erledigt. So ist das nicht.“ In der öffentlichen Meinung werde schwul oder lesbisch sein auf die bloße Sexualität reduziert: „Es betrifft sämtliche Lebensbereiche. Auch die Arbeit!“

Aus wirtschaftlicher Sicht sei ein Ignorieren des Themas nicht nachvollziehbar. Wondrak verweist auf Best-Practice-Unternehmen wie die Unicredit/Bank Austria oder TNT Express Austria, welche etwa mittels Rainbow-Gruppen Offenheit auch nach außen kommunizieren: „Wer signalisiert, du bist herzlich willkommen, egal wie du bist, der zieht qualifizierte Talente aller Orientierungen an.“ Welche dann auch höher motiviert und stärker ans Unternehmen gebunden sind. Ein Gedanke, den er in die Diversity-Pläne für 2013 aufzunehmen empfiehlt.

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