IT-Karrieren: Bitte keine Primaballerinas
15.10.2012 | 15:06 | Andrea Lehky (Die Presse)
Sich auf seinen Expertenstatus zurückziehen und User als Bittsteller behandeln ist ein No-Go für Informatiker.
„Was ich jungen Leuten mit auf den Weg geben will“ – so beginnt Christian Fritzsche, seit zwei Wochen Ko-Geschäftsführer der Kienbaum Executive Search-Beratung, seine Analyse des IT-Bewerbermarktes: „IT hat von allen Professionen den schnellsten Wissensumschlag. Nichts ist älter als die Technologie von gestern.“ Schlussfolgerungen: niemals stehenbleiben, immer weiterlernen. Ein Leben lang. „Und lassen Sie bitte alles Gelernte zertifizieren. Alle paar Jahre eine neue Prüfung als Beweis.“
Denn mittelfristig bleiben viele Informatiker auf der Strecke, die jahrelang treu ihrem Unternehmen gedient haben. Sie bewegen sich zwar virtuos in dessen Systemen, hinken dem Markt aber längst hinterher. Einziger Ausweg, will man beschäftigungsfähig bleiben: aktuelles Wissen in der Freizeit updaten und sich laufend mit der Community austauschen. Als heißeste Trends zurzeit nennt der Berater Mobile Applications, IT-Organisationsentwicklung und ERP-Systeme.
Die zweite große Strömung im Markt ist Projektmanagement. Ungeachtet einer persönlichen Spezialisierung steht eine Karriere ohne diese Zusatzausbildung rasch an. Reine Projekterfahrung genügt nicht, gefragt ist auch hier das Zertifikat. Anbieter gibt es viele, der Berater rät zu PMA/IPMA.
Warten, dass die User anklopfen
Mit grauer Theorie allein ist es natürlich nicht getan. Wer jemals ein Projekt geleitet hat, weiß, dass die Social Skills dabei aufs Äußerste gefordert werden: „Auf die Leute zugehen, ihnen zuhören und auf sie eingehen.“ Genau hier hapere es bei vielen Informatikern. Fritzsche nennt es das Primaballerina-Syndrom: „Man zieht sich auf seinen Expertenstatus zurück und wartet, dass die User anklopfen. Das reicht nicht.“ Besonders interne IT-Dienstleister (Gehälter siehe Kasten) tun sich hier schwer: „Den externen ist Kundenumgang vertrauter.“ Auch die Kernprozesse des Unternehmens zu verstehen hat zwar nichts mit IT zu tun, ist dem Aufstieg jedoch förderlich.
Wer diese Zusatzkompetenzen intus hat, ist (derzeit) karrierefit. Wie viel die extern tätigen IT-Professionen verdienen, hängt für Pedersen-&-Partners-Vergütungsexperte Conrad Pramböck vom Abstraktionsgrad ab. Je abstrakter der Job, desto höher das Gehalt:
- Operative Programmierer und Entwickler verdienen 40.000 bis 55.000 Euro Jahresbrutto. Branchenspezifikum: Akademische Vorbildung macht hier keinen Unterschied. Pramböck: „Die einen haben bessere Vorbildung, die anderen mehr Erfahrung.“
- Consultants, welche die Anforderungen der externen Kunden für die Programmierer übersetzen, verdienen etwa 20 Prozent mehr als diese. Besonders gut dran sind jene, welche die drei Buchstaben S A P im Firmenlogo tragen: „Sie können automatisch nochmals 20 Prozent mehr verlangen“, so der Berater.
- An der Spitze der Pyramide stehen IT-Architekten, die nichts mehr mit dem erdigen Programmieren zu tun haben. Ihr hoher Abstraktionsgrad ist wiederum 20 Prozent mehr Gehalt wert als das der Consultants ihrer Firma.
- Eine weitere Branchenbesonderheit ist der variable Gehaltsanteil von bis zu 100 Prozent. Zum Vergleich: Im Schnitt aller Branchen beträgt er nur 20 Prozent. Das kommt besonders im IT-Verkauf zum Tragen. Ob man hier bei einem Branchenriesen (etwa IBM, Microsoft, Oracle, SAP) oder einer kleinen Softwareschmiede anheuert, macht keinen Unterschied. Pramböck: „Wer gut verkauft, soll auch gut leben können.“ Doch auch mit dem Fixgehalt verhungert man nicht: Einsteiger liegen bei 30.000 bis 35.000 Euro, Spitzenleute bei 60.000 bis 80.000 Euro. Ohne Provisionen, versteht sich.
Bereichsleiter: 150.000
Abteilungsleiter: 111.000
Teamleiter: 78.000
Entwickler/Programmierer: 55.000
Systemadministrator: 51.000
User Helpdesk-Spezialist: 40.000
Quelle: Kienbaum
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2012)













