International: Schweiz im Kampf um Fachkräfte vorn
28.09.2012 | 10:30 | (Die Presse)
Im Werben um hoch qualifizierte Zuwanderer haben sich die Eidgenossen besser positioniert als Österreich und Deutschland.
Die Mehrheit der Zuwanderer in die Schweiz hat einen akademischen Abschluss. In Österreich beträgt der Anteil dagegen nur 19,1 Prozent. „Wir sind nicht auf der internationalen Landkarte für Schlüsselarbeitskräfte positioniert“, kommentierte dies Margit Kreuzhuber, Integrationsbeauftragte in der Wirtschaftskammer Österreich, in einer Podiumsdiskussion am Donnerstag im Rahmen der „Medien.Messe.Migration“. Ein Trend ist trotzdem zu bemerken: In den 1970ern betrug der Akademiker-Anteil nur 4,4 Prozent.
Dass Deutschland ähnliche Probleme beim Anwerben von Topkräften hat, galt auf der Messe nicht unbedingt als Trost. Christel Morehouse, Migrationsspezialistin der deutschen Bertelsmann-Stiftung, lieferte einen Überblick über die Lage beim großen Nachbarn. Ihr zufolge kamen 2011 nur 35 nach Behördendefinition hoch qualifizierte Arbeitsmigranten nach Deutschland. Dazu gesellten sich 2230 leitende Angestellte und Spezialisten und 2021 IT-Spezialisten. Dem standen 19.400 meist niedrig qualifizierte Werkvertragsnehmer und ganze 167.500 Saisonarbeiter gegenüber.
Ein Thema, mit dem sich alle drei Länder zu beschäftigen haben, sind „Rückkehrer“. Gemeint sind Migranten der zweiten Generation, die in Europa eine gute Ausbildung genossen haben, um dann wieder in die Heimatländer ihrer Eltern zurückzukehren. Auffällig ist dieser Trend bei jungen Türken, denn einerseits boomt die Wirtschaft in der Türkei, andererseits sind sie im deutschsprachigen Raum teils immer noch Diskriminierungen ausgesetzt.
Diese Arbeitskräfte gingen zwar für Deutschland, Österreich und die Schweiz verloren, aber sie seien auch Brückenbauer, resümierte Daniel Müller-Jentsch vom Schweizer Thinktank Avenir Suisse. Wenn diese Menschen heimkehrten, weil sie in der Türkei Chancen sehen, sei es zu begrüßen. Wenn sie sich aber von ihrer neuen Heimat verdrängt fühlten, dann sei das ein Problem. Ebenfalls ein Problem sei, wenn die gut Ausgebildeten zurückkehren und die bildungsfernen Schichten in Österreich, Deutschland und der Schweiz bleiben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2012)













