Trenkwalder-Geschäftsführer Klaus Lercher neuer VZA-Präsident
20.09.2012 | 12:50 | Andrea Lehky (DiePresse.com)
Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s den Personaldienstleistern gut. Derzeit sieht es nicht danach aus. Nach zähem Ringen um die jüngste Novelle des Leiharbeitsgesetzes – Stichwort Auflösungsabgabe – rochiert nun der Vorstand des Verbandes für Zeitarbeit und Arbeitsvermittlung. Auch in der Wirtschaftskammer stehen Änderungen bevor.
Zeitarbeit ist ein Konjunkturbarometer. Aus ihrer eigenen Auftragslage lesen Personaldienstleister schon Monate im Voraus ab, welche Branchen florieren und welche den Gürtel enger schnallen müssen.
In Österreich verlief das heurige Jahr bis dato durchwachsen. Die Umsätze der großen heimischen Anbieter stagnieren oder wachsen im gering einstelligen Bereich. Die Spannen hingegen schrumpfen stetig.
International sieht es nicht besser aus. So meldete der weltweit größte Personalvermittler Adecco Ende August einen deutlichen Gewinneinbruch. 113 Millionen Euro verdiente der Konzern im zweiten Quartal, 20 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Vor allem die schleppende europäische Konjunktur lähmt Adecco.
In Österreich trägt noch weiteres Ungemach zur Nervosität der Branche bei. Die jüngst beschlossene Auflösungsabgabe lässt die ohnehin knappen Gewinne weiter bröseln. Pro beendetem Arbeitsverhältnis müssen nun 110 Euro „Strafe“ bezahlt werden. Damit will der Gesetzgeber der branchenüblichen einvernehmlichen Lösung des Dienstverhältnisses zwischen zwei Einsätzen („Stehzeit“) einen Riegel vorschieben. Das Geld fließt - wie auch die seit Jahren eingehobene Weiterbildungsabgabe (2,60 Euro pro Arbeiter und Beschäftigungsmonat) – zum AMS und wird für Qualifizierungsmaßnahmen der Zeitarbeiter verwendet. Und läppert sich zusammen: 2010 wurden allein an Weiterbildungsabgabe 1,52 Millionen Euro eingezahlt (die Werte für 2011 sind noch nicht veröffentlicht.)
Markt in Bewegung
Der Verband für Zeitarbeit und Arbeitsvermittlung (VZA) trägt dem scharfen Gegenwind nun mit einem Geschäftsführerwechsel Rechnung. Gestern, Mittwoch, wurde Trenkwalder-Geschäftsführer Klaus Lercher einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Er löst damit Büroring-Geschäftsführer Alexander Praschek ab, der sich als VZA-Vizepräsident in die zweite Reihe zurückzieht.
Rochaden stehen auch in der Wirtschaftskammer bevor. Gerhard Flenreiss, seit sechs Jahren Bundessprecher der Personaldienstleister in der WKO, zieht sich Insidern zufolge auf das Bundesland Wien zurück. Er beschreibt den Markt als zu 85 Prozent von Industrie und Gewerbe dominiert. Drei Viertel der Zeitarbeiter sind männlich, ein Viertel weiblich. Den Anteil an Angestellten schätzt er auf 15 bis 20 Prozent.
Die exakte Marktgröße ist seit jeher schwer zu beziffern. Neo-VZA-Präsident Lercher spricht von „275.000 Menschen, die jährlich in Österreich durch Zeitarbeitsunternehmen in Beschäftigung gebracht werden.“ Diese Zahl summiert sämtliche Beschäftigungsverhältnisse (Kurzeinsätze, Mehrfachbeschäftigung, etc.) und steht nur in scheinbarem Widerspruch zu den vom Arbeitsministerium genannten 75.000 Zeitarbeitern und –angestellten. Dessen letzte Erhebung berücksichtigt alle Dienstverhältnisse, die zu einem bestimmten Stichtag, dem 31.Juli 2011, aufrecht waren. Auch hier liegen noch keine aktuelleren Werte vor.













