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Geldgeber für „grüne“ Gründer

03.09.2012 | 11:43 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Finanzierung. „Family, Friends & Fools“ reichen oft nicht aus. Start-ups benötigen Finanziers: Gerade im Umwelt- und Technologiebereich zahlt sich das aus.

Der Vorwurf der Gründer ist bekannt: „Es ist derzeit fast unmöglich, einen Kredit zu erhalten“, beklagt Martin Wesian, Gründer und CEO des Green-Start-ups Helioz. Mit seinem Produkt Wadi ist der Vorarlberger international in der Trinkwasseraufbereitung tätig. „Wer von einer Bank 100.000 Euro will, muss auch 100.000 Euro an Sicherheit haben“, sagt Wesian: „Da brauche ich keine Bank mehr.“ –

„Da haben Sie 100 Prozent recht“, erwidert Erste-Bank-Vorstand Peter Bosek, will die Aussage beim Round-Table-Gespräch letzte Woche allerdings nicht so stehen lassen: „Gründer benötigen meist Eigenkapital. Unsere Aufgaben liegen vor allem im Fremdkapitalbereich. Wir können Gründer unterstützen, dazu zu kommen.“ Die wichtigsten Finanziers sind meist nicht die „drei F“: Family, Friends & Fools.

Steueranreize erwünscht

Wer damit nicht auskomme, der könne auch eine Reihe von Förderungen nutzen, ergänzt Anna Maria Hochhauser, Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich (WKO). Auch bei anderen Finanzierungsformen wie Venture Capital oder Business Angels gebe es Aufholbedarf, betont Anton Zeiner, Leiter des Zentrums für MBA- und Corporate-Programme an der Donau-Universität Krems.

„Hierzulande stellt die Business-Angel-Szene meist nur kleine Beträge zur Verfügung.“ „Klein“ wären „ein paar 100.000 Euro“, so Zeiner. International wären Millionenbeträge üblich. „Wir fordern seit Jahren steuerliche Anreize für neue Kapitalformen“, wirft die WKO-Generalsekretärin ein. „Solche Anreize sind auch in Zeiten der Budgetknappheit möglich“, sagt Hochhauser an Umweltminister Nikolaus Berlakovich gewandt. Der Minister erklärt, dass er Gründer stark unterstütze und verweist auf seine Initiative „Green Start-ups“ und einen neuen Sonderpreis im Rahmen des i2b Businessplan-Wettbewerbs (siehe Infobox).

Die Branche sei wichtig für den Wirtschaftsstandort: 200.000 Beschäftigte gebe es bereits im Green-Jobs-Bereich, weitere 100.000 sollen es bis 2020 werden. Der Umweltwirtschaftssektor mache etwa 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und verzeichnete im Jahresvergleich einen Jobzuwachs von acht Prozent, rechnet der Minister vor. Hochhauser assistiert: Der Umwelt- und Technologiebereich sei ein Exportschlager, Güter im Wert von zwei Milliarden Euro würden jedes Jahr exportiert werden, 5,8 Prozent des Gesamtexportvolumens.

Um – noch – mehr Chancen nutzen zu können, würden weitere Finanzierungsmöglichkeiten für Gründer benötigt, sind sich die Diskutanten einig. Welche dies sein könnten, darüber herrscht nicht immer Konsens.

Eine Möglichkeit wäre Crowdfinancing, das „Sammeln“ vieler kleiner Beträge. Zeiner: „Das ist wirklich Risikokapital. International funktioniert das.“ Nicht ein Investor würde dann eine Million hergeben, sondern 1000 jeweils 1000 Euro. 150 solcher Plattformen gebe es bereits weltweit. Auch Wesians Unternehmen – er selbst hat über Förderungen sowie die erwähnten „drei F“ finanziert –, setzt international auf eine solche Plattform. Seinen gesamten Finanzierungsbedarf könne er allerdings damit nicht bedienen, sagt der Gründer.

„Grünes Wachstum“

Bosek zeigt sich gegenüber Crowdfinancing skeptisch: Die 280 Milliarden Sparguthaben, die es in Österreich gebe, werden nicht in Investitionen umgeschichtet werden. „Wir werden aus einem Land der Sparer nicht so schnell ein Land der Investoren machen“, sagt der Bankvorstand. Potenzial räume er jedoch dem Umwelttechnologiebereich als Investmentmöglichkeit ein. „Daran arbeiten wir gerade.“ Ökonomie und Ökologie zu vereinen ist auch das Ziel des Umweltministers: „Wir benötigen grünes Wachstum. Das kann nur von Gründern aus dem Umwelt- und Technologiebereich geschaffen werden“, sind sich Berlakovich und alle Diskutanten einig.

 

„Green Innovators“
Sonderpreis. Im Rahmen des i2b Businessplan-Wettbewerbs 2012 wird heuer erstmals der Sonderpreis „Green Innovators“ ausgeschrieben. Ausgelobt wird der Award von Green Jobs Austria mit Unterstützung des Lebensministeriums.

Ziel des Sonderpreises ist es, innovative Ideen aus der Umweltwirtschaft und aus dem Segment Ressourceneffizienz zu unterstützen und sie im Licht ihrer Marktfähigkeit mit Experten aus der Wirtschaft und dem Finanzierungsbereich zu reflektieren. Der Sonderpreis trägt damit dazu bei, Ökoinvestitionen zu fördern und Unternehmen bei ihrem wirtschaftlichen und beschäftigungsrelevanten Fortkommen zu begleiten. Weitere Infos: www.i2b.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 1.9.2012)

1 Kommentare
troootzi
03.09.2012 20:51
0 0

...„Gründer benötigen meist Eigenkapital. Unsere Aufgaben liegen vor allem im Fremdkapitalbereich. Wir können Gründer unterstützen, dazu zu kommen."...

Wieder einmal erhellende Erklärungen...

Das Hauptproblem wird wieder einmal umschifft: Innovative Unternehmen brauchen Eigenkapital, um mittel- und langfristig eine Cahnce zu haben.

Wo sind denn die Ansätze für effektive Lösungen?

Schweigen im Walde - seit Jahrzehnten.

Wir versuchen, Lösungen zu entwickeln - wahrlich keine leichte Aufgabe:

SFH-5070 ECOOOFINNOVA - Evolutionäre Finanzierung von Innovationen durch Eigenkapital ( Stand 18.7.2012 )

http://so-for-humanity.com2000.at/index.php?modul=content&rubrik=115&aid=5839

Ob das jemanden interessiert?

http://so-for-humanity.com2000.at

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