Artikel drucken Drucken Artikel kommentieren Kommentieren Artikel senden Senden

Studie: 9 von 10 haben Freude an der Arbeit – auch wenn sie „motschgern“

21.08.2012 | 13:08 |  Andrea Lehky (DiePresse.com)

Doch nicht überall ist das Glücksempfinden gleich groß: am meisten bei Selbstständigen, leitenden Angestellten, jenen, die erst kurz im Job sind, im Dienstleistungssektor und bei Verheirateten.

Unternehmen fragen oft die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter ab. Eine Stufe weiter geht es, wenn sie auch das Engagement eruieren: „Rationale, sachliche Arbeitseinflüsse sind nur die Spitze des Einsbergs“, sagt Angelika Kofler, Sozialpsychologin und Leiterin der GfK Sozial- und Organisationsforschung. „Die affektiven Faktoren liegen geballt unter der Oberfläche.“ Unerkannt richten sie eine Menge Schaden an. Gut ausgenutzt bewirken sie mehr Engagement, höhere Motivation und Produktivität – kostenfrei.

In ihrer jüngsten Studie äußern 89 Prozent der österreichischen Erwerbstätigen, „alles in allem“ große Freude an der gegenwärtigen beruflichen Tätigkeit zu haben. 88 Prozent gefällt sie „inhaltlich“. Werte, die sogar Expertin Kofler überraschen: „Wir sind kulturell so veranlagt, dass wir gerne motschgern. Tatsächlich jammern wir mehr als wir echtes Arbeitsleid empfinden.“ Solche Selbstdarstellung tritt in Face-to-Face-Interviews stärker zu Tage als bei Methoden, „wo man mit dem Fragebogen allein ist.“ Für die Studie wurden 1109 erwerbstätige Österreicher online befragt.

Mehr Geld macht nicht glücklicher

Die Freude bei der Arbeit hängt deutlich von Position und Möglichkeiten ab. Am größten ist sie bei Selbständigen/Freiberuflern und leitenden Angestellten/Beamten im Vergleich zu Arbeitern. Es folgen die Bildungsschicht und Arbeitnehmer, die erst kurz im jeweiligen Job sind. Auch Mitarbeiter im Dienstleistungssektor zeigen mehr Freude als jene im  Produktionssektor. Und: Verheiratete oder in Beziehung Lebende empfinden ihren Beruf öfter als Möglichkeit der persönlichen Entfaltung als Alleinstehende.

Zwischen 2100 und 2999 Euro Nettoeinkommen ist man am zufriedensten. Dann steigt die Freude an mehr Geld nicht weiter und sinkt später sogar ab. Kofler: „Die Glücksforschung bestätigt das. Bis zu einem gewissen Grad macht Geld glücklicher. Irgendwann stößt es an eine Grenze.“

Natürlich ist nicht alles rosarot. 41 Prozent der Berufstätigen nehmen ihre Tätigkeit regelmäßig emotional belastend wahr; 36 Prozent auch körperlich. 36 Prozent, besonders Männer, kostet ihre Arbeit mehr Zeit als ihnen lieb ist. Wo harte Fakten im Vordergrund stehen, gerät soziales Kapital leicht ins Hintertreffen. Wie lässt es sich heben? Soziologin Kofler: „Ganz einfach – auf die Personalisten hören. Die wissen meistens Bescheid.“

AnmeldenAnmelden
DiePresse.com