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Serie Jungbrunnen Arbeit Alter

Serie "Jungbrunnen Arbeit": Das Alter als Erfahrungsschatz

06.08.2012 | 10:57 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Gründer. Mit über 50 in die Selbstständigkeit? So mancher erfüllt sich damit einen „Lebenstraum“. Nur für wenige gibt es keine weitere Alternative. Teil 5 der Serie.

Ilona Bugelnig hat sich mit ihrem Hotel Landhaus Moserhof, das südlich von Wien in Gumpoldskirchen gelegen ist, einen Lebenstraum erfüllt. „Es war schon immer mein Wunsch, im zweiten Lebensabschnitt ein kleines aber feines Hotel zu führen“, erzählt die ehemalige Managerin – Jahrgang 1963 – und nunmehrige Unternehmerin. Bugelnig war über 25 Jahre als CFO tätig gewesen: Die letzten 14 Jahre zeichnete sie als Partner sowie Prokuristin für den Finanz- und Personalbereich der PR-Agentur Pleon Publico – die heute unter Ketchum Publico firmiert – verantwortlich.

Gemeinsam mit ihrem Mann führt sie nun als „Patronin“ den idyllisch in den Weinbergen an der Thermenlinie gelegenen Moserhof. Das Hotel läuft nun seit fünf Monaten im Vollbetrieb und die Geschäfte entwickeln sich gut, wie Bugelnig sagt. „Im Konzernleben war man gewohnt, dass eine organisatorische und technische Infrastruktur vorhanden ist, die man selbst gar nicht so wahrgenommen hat“, sagt die Unternehmerin. Das sei nun anders. Das Alter spielte beim Schritt in die Selbstständigkeit allerdings keine Rolle, die Erfahrung hingegen schon.

Lebens- und Berufserfahrung

Diesen persönlichen Eindruck der Unternehmerin bestätigt auch Michaela Steinwidder: „Wir nehmen in der Gründerberatung keinen Unterschied aufgrund des Alters wahr“, sagt die Leiterin des Gründerservices der Wirtschaftskammer Steiermark: „Wohl aber bringen ältere Gründer mehr Lebenserfahrung mit, haben mehr Kontakte und sind oft auch fokussierter auf die Sache als jüngere.“ Ältere würden mehr Lebens- und Berufserfahrung einbringen, betont auch AMS-Vorstand Johannes Kopf – diese Erfahrung sollten die Gründer auch ausspielen, empfehlen beide (siehe Tipps in der Info-Box). „Auch sind die Kinder aus dem Gröbsten heraußen, gesundheitlich gibt es kaum Probleme“, sagt Steinwidder.

2011 waren mehr als 28 Prozent der über 35.000 Gründer, die sich selbstständig gemacht haben, zwischen 40 und 50 Jahre alt – weitere knapp 18 Prozent waren über 50. Bei den Gründungen aus der Erwerbslosigkeit heraus – unterstützt durch ein AMS-Programm, das letztes Jahr 4800 Menschen ohne Job in die Selbstständigkeit geholfen hat – liegt der Anteil bei elf Prozent. 

Gründung: Letzter Ausweg?

Wenn man den Zahlen des Gründerservices Glauben schenken kann, dann ist die Selbstständigkeit nur für einen Bruchteil der 50-plus-Generation der „letzte Ausweg“. Konkret fühlen sich 8,8 Prozent aller Gründer über 50 Jahre in die Selbstständigkeit gedrängt – quer durch alle Altersgruppen liegt dieser Wert bei 6,2 Prozent. Sich den Wunsch nach Selbstständigkeit zu erfüllen sowie selbst „Chef zu sein“ rangiert laut der Gründerservice-Befragung hingegen ganz oben bei den Motiven.  

Tipps fürs Gründen im Alter
Idee abklopfen. Oft ist man von seiner eigenen Vision so erfüllt, dass man Schwächen übersieht. Daher jedenfalls Experten konsultieren.
Erfahrungen nutzen. Gerade ältere Gründer können auf einen großen Schatz an Erfahrungen zurückgreifen. Das beinhaltet auch ein breites Netzwerk. All das sollte auch genutzt werden.
Zeit lassen. Ältere denken mitunter, dass eine (letzte) berufliche Veränderung noch schnell gehen muss. Hudeln bringt bei der Gründung allerdings nichts.
Defizite beseitigen. Wer lange Zeit als Spezialist oder nur in einem Fachbereich gearbeitet hat, der wird kaum alle Bereiche des Unternehmertums gleich aus dem Effeff beherrschen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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