Social Media: Bloggen für die eigene Karriere?
30.07.2012 | 09:56 | Nikolaus Koller (Die Presse)
Einen Blog zu schreiben liegt im Trend. Doch was bringen diese Online-Tagebücher Personalverantwortlichen und Bewerbern? Empfehlungen für die Selbstvermarktung der eigenen publizistischen Inhalte im Web.
Einen Blog zu schreiben liegt wie viele andere Social-Media-Anwendungen im Trend: Mehr als 181 Millionen gab es Ende 2011 davon weltweit – fünf Jahre zuvor waren es noch 36 Millionen gewesen, so die Daten des Marketingunternehmens Nielsen. Die Online-Tagebücher – ein Blog ist die verkürzte Wiedergabe des Wortes Weblog, was wiederum aus einer Verschmelzung von World Wide Web und Log entstanden ist – machen auch vor HR nicht halt.
„Im viel zitierten War for Talents ist jeder Einzelne gefragt, sich als Talent herauszustreichen, um wahrgenommen zu werden und sich von der Masse abzuheben. Ein Weg ist, durch Fachwissen aufzufallen. Durch einen eigenen Blog ist das möglich. Nicht leicht, aber immerhin möglich“, sagt Eva Selan, Geschäftsführerin von HRweb.at, einem auf Personalthemen spezialisierten Blog. Die technische Umsetzung ist meist leicht zu handhaben: Die Auswahl an – kostenfreien – Blogging-Seiten wie Wordpress oder Tumblr ist groß. Schwieriger als das „Set-up“ ist jedoch der Betrieb. „Ein Blog muss leben. Das heißt: Inhalte sind gefragt – und das regelmäßig“, stellt Selan klar.
Employer-Branding-Maßnahme
Doch nicht nur einzelne Personen, auch Firmen werden immer öfter zu „Bloggern“ – auch in Personalthemen. Bevor hier aber munter drauflosgepostet wird, sollten sich die Personalverantwortlichen klar über ihre Ziele sein: „Employer-Branding-Maßnahmen sind zweifellos notwendig, um auf dem Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Ob ein Blog das geeignete Mittel ist, hängt vom Unternehmen, der Zielsetzung und den firmeninternen Möglichkeiten ab“, so Selan.
„Nicht jedes Unternehmen kann und möchte eigens einen geeigneten Mitarbeiter einstellen, der die Sprache der potenziellen Bewerber spricht, das notwendige Know-how über Blogs sowie das Fachwissen der Firma mitbringt“, sagt die Personalfachfrau. Firmen, die sich allerdings dafür entscheiden, hätten gute Chancen, einen entscheidenden Vorsprung für das eigene Recruiting und Employer Branding zu erreichen.
Was sollten künftige Blogger beachten außer – wie schon erwähnt – ihr Online-Tagebuch regelmäßig zu füllen?
Ziele setzen. Wer bloggt, sollte das nicht aus der Motivation heraus tun, einen neuen Job zu finden. „Einen Blog selbst zu gestalten und zu bestücken, nur um sich einen guten Namen am Bewerbermarkt zu machen, wird demnach einfach einen zu großen Aufwand bedeuten“, sagt Selan. Viel wichtiger kann es hingegen sein, sein Fachwissen in einem bestimmten Bereich durch die Blog-Tätigkeit unter Beweis zu stellen. Dabei gilt natürlich zu beachten, dass dieses – so der Blog auf Arbeitgeber wirken soll – thematisch zum Unternehmen passen sollte. Die Online-Tagebücher können aber auch rein privat geschrieben werden und werden es auch. Wer beispielsweise Gedanken über Lieblingsbücher veröffentlicht, sollte sich vorher überlegen, ob er diese dem Personalverantwortlichen preisgeben möchte.
Darauf hinweisen. Wer seinen Blog als Karriere-Asset verwenden möchte, sollte auch nicht darauf vergessen, einen Hinweis darauf in seine Bewerbungsunterlagen einzufügen. Dies ist nicht nur aus reinem Selbstzweck wichtig: Kandidaten sollten einen neuen Arbeitgeber jedenfalls über ihre publizistischen Aktivitäten informieren. Allzu leicht könnte es später sonst zu Unannehmlichkeiten kommen.
Bewerben. Wer bloggt, möchte auch gelesen werden. Doch dazu müssen die User erst auf die Web-Präsenz aufmerksam gemacht werden. Schreiber sollten daher auch als Werber auftreten. Social-Media-Anwendungen wie Facebook, Twitter und Google-Plus bieten Möglichkeiten, auf neue Einträge hinzuweisen.
Blogs lesen. Nur im eigenen Saft zu braten, ist zu wenig. Ob es um neue Designs oder aktuelle Inhalte geht – Blogger sollten auch in anderen Online-Tagebüchern regelmäßig schmökern, um am Ball zu bleiben.
Diskutieren. Allein vor sich hinzuschreiben ist zu wenig: Bewerber können sich auch einen Namen machen, indem sie „in Blogs mitreden“, wie Selan meint: „Indem die Kommentarfunktion genutzt wird können fachlich fundierte Gedanken zu Fachartikeln beigesteuert werden. Das ist in unterschiedlichen Blogs sowie auch auf Facebook-Karriereseiten der Fall. Das sei eine einfache Möglichkeit, um breit gestreut seinen Namen zu hinterlassen, sagt Selan.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)













