Silbersatelliten und graue Pfuscher
20.07.2012 | 10:46 | Andrea Lehky (Die Presse)
Serie. „Lustvoll länger arbeiten“ ist das Motto unserer sechsteiligen Themenreihe zu Arbeit jenseits des 60ers. Diese Woche Teil 3: Geringfügig dazuverdienen.
Lieber „Unruhestand“ als Langeweile, dachten sich zwei IBM-Österreich-Pensionisten. Der eine hält jetzt auf der Kinderuni Vorlesungen zum „Auto der Zukunft“-Konzept seines alten Arbeitgebers. Der andere unterrichtet Senioren im Gebrauch von PCs.
Sofort nach Pensionsantritt wollten sich zwölf Prozent der von der Raiffeisen Bausparkasse befragten 50- bis 65-Jährigen neue Arbeit suchen. Geldnot gab dabei nur ein Drittel als Motiv an. Ein Jahr später wurde die Befragung wiederholt. Es zeigte sich, dass tatsächlich 13 Prozent neue Beschäftigung gefunden hatte. Oft blieben sie im Dunstkreis der alten Firma. Die Gründe liegen auf der Hand: das Know-how ist noch à jour, die Kontakte noch warm, der alte Status funkelt noch. Auch Betätigungsfelder jenseits der legendären, am Golfplatz Geschäfte anbahnenden Frühstücksdirektoren bieten sich an: Spitzenabdeckung, Einzelprojekte, Einschulung neuer Kollegen und Mentoring von High Potentials.
Doch Achtung: Meist halten sich die Silbersatelliten nicht lange im Gravitationsfeld ihres alten Heimatplaneten. Nach im Schnitt zwei Jahren haben neue Strategien, Wissensgebiete oder Entscheider ihren Wert für die Company atomisiert.
Graue Schwarzarbeiter
63.000 Pensionsbezieher verdienen in Österreich geringfügig dazu, zitiert der JKU-Wirtschaftsinstitutsvorstand Friedrich Schneider Zahlen des Sozialministeriums. Daneben schätzt er, dass weitere 100.000 Pensionisten pfuschen und damit zwei Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften – Steuereinnahmen, die dem Staat verlorengehen. „Wir haben eine der teuersten Lösungen überhaupt,“ spielt er auf Österreichs Spitzenplatz bei Frühpensionierungen an, „Volkswirtschaftlich sind diese Lasten nicht mehr zu tragen.“
Eine Lösung müsse bei Anreizen für längeres reguläres Arbeiten ansetzen: „Die Frühpension verursacht konkrete Kosten. Würde ein Teil dieses Geldes – etwa in Form eines Bonus – Arbeitgebern und Arbeitnehmern zur Verfügungen stehen, wenn letztere länger arbeiten, hätten alle etwas davon.“ Frühpensionierungen würde er überhaupt „nur mehr für Invalide aussprechen“, ferner an der Gehaltsschraube drehen (signifikante Gehaltszuwächse nur bis Mitte 40, danach sind sie „bescheiden“) und die „Qualität der Arbeit anpassen“.
Pensionistenseitig müsse man „die Zahl der Legalen erhöhen“.
Der Volkswirt findet hier das deutsche Modell attraktiv: Im Nachbarland dürfen Rentner bis zur Höhe ihres letzten Bruttogehaltes (Rente plus Nebeneinkommen zusammen) dazuverdienen, ohne ihre Pension zu gefährden. Schneider ist überzeugt, dass die Rechnung auch in Österreich aufgehen würde: „Die Hälfte würde nicht mehr pfuschen.“
Nächste Woche Teil 4 unserer Serie: „Jobbende Pensionisten“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.07.2012)













