Mit Herz, Hirn und Hartnäckigkeit
05.07.2012 | 18:33 | Johanna Zugmann (Die Presse)
Die PR-Agentin Alexandra Heitzer verfolgte zehn Jahre lang den Traum von einer kulinarischen Charmeoffensive für die Geldstadt Zürich.
Gute Ideen gibt es wie Sand am Meer. Umgesetzt werden die wenigsten, viele von ihnen schon beim ersten kleinen Widerstand verworfen oder knapp vor der Realisierung wegen einer letzten Hürde zurückgelegt ins Reich der Träume.
Alexandra Heitzer, Schweizerin mit Vorarlberger Eltern, verfolgte ihr Projekt zehn Jahre lang: Der eher als Finanzplatz, denn mit 2000 Restaurants, von denen 40 mit Gault-Millau-Punkten bewertet sind, als Gourmetstadt berühmten Limmat-Metropole Zürich wollte die PR-Agentin eine kulinarische Charmeoffensive verpassen. Mit dem Food-Festival „Il Tavolo“, das Einwohner und Besucher auf den guten Geschmack bringt. An langen Tafeln – am liebsten auf der zentralen Bahnhofstraße oder dem Utoquai – sollte auch die Essenz des Essens, nämlich das Zusammen-sitzen-und-miteinander-Reden, eine Renaissance erleben.
Im Zentrum die Tafel
„In unserer schnelllebigen Zeit ist jeder mehr mit seinem Handy beschäftigt als mit seinem Visavis. Mit ,Il Tavolo‘ assoziiere ich die italienische Mama, die Nonna, die Kinder, die angeregt miteinander kommunizieren und lachen.“
Für die Bahnhofstraße gab's von den Stadtvätern sofort ein „Nein“, das „Aus“ für den Utoquai, der das nordöstliche Ufer des Zürichsees säumt, kam im September vergangenen Jahres, kurz vor Fertigstellung der Filme für die Drucksorten und das Werbematerial.
Eine mittlere Katastrophe! Nach drei Tagen und Nächten intensiven Nachdenkens und Alle-Hebel-in-Bewegung-Setzens war die Alternative gefunden: Die Tafel für die 600-köpfige Tischgesellschaft der sommerlichen Galanacht fand schließlich Platz im romantischen Innenhof des Landesmuseums Zürich.
Vergangene Woche war es dann so weit: Eine Prise mediterranes Lebensgefühl kombiniert mit Schweizer Spitzenküche für Jung und Alt wurde kredenzt. Auf dem Programm standen unter anderem das Live-Showkochen von Stars aus den Fünfsternehotelbetrieben der Stadt, ein Familienfrühstück mit Kunstdarbietungen und das Charity-Event „Kinder kochen für Kinder“.
Aber wie bringt man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen siebenstelligen Sponsoringbetrag in Schweizer Franken (SFR) auf, wie eidgenössische Stadtväter dazu, öffentlichen Raum als Esszimmer zur Verfügung zu stellen, und wie macht man sich 30 konkurrierende Restaurants, fünf Luxusherbergen und sechs führende Medien zu Partnern? Zuerst müsse man beweisen, dass man fähig ist, ein Riesenevent hinzukriegen und in einer Stadt, die mit Großveranstaltungen von Festspielen über Filmfestival bis hin zu Marathon und einer immensen Street Parade ohnehin fast niemals schläft, zeitlich unterzubringen.
„Neben einer überzeugenden Idee punktet man mit den tollen Gegenleistungen“, lacht Heitzer. Die beginnen bei der Abbildung der Partner und Sponsoren auf der Einladungskarte und den Plakaten (ein Sechstel der gestellten langen Tafel ist auf unserer Abbildung links zu sehen).
Edukativer Mehrwert
Zum Schwellenangstabbau vor der von Banken, Eurokrise und sinkenden Spesenbudgets geschwächten Zürcher Haubengastronomie trug das Festival auch mit moderaten Preisen fürs fürstliche Speisen bei. Edukativer Mehrwert dürfte neben dem Nährwert ebenfalls haften bleiben: Knirpse, die beim Haubenkoch gelernt haben, Speck mit Ei, Nüsslisalat, Zürcher G'schnetzeltes und Mousse au Chocolat zuzubereiten, sind vielleicht in Zukunft für den Fastfood-Konsum verdorben.
Nach dem Festival ist vor dem Festival: 2013 folgt „Il Tavolo II“. Mit neuen kreativen Ideen. Und einem neuerlichen Vorstoß Richtung Stadtväter, was die Bahnhofstraße betrifft. Und „weil einem Ideen nicht hinter dem Bildschirm, sondern im Liegestuhl kommen“, so Heitzer, macht sie vorerst einmal Urlaub. Wo? In Italien, natürlich!
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)













