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Social Media Recruiting eigene

Social Media Recruiting: Der eigene „digitale Fußabdruck“

29.06.2012 | 10:33 |  Nikolaus Koller (Die Presse)

Web 2.0 liegt im Trend, im Personalwesen steckt es in den Kinderschuhen – noch. Wer morgen Jobchancen durch Xing, Twitter und Co. haben möchte, der muss heute bereits einsteigen.

Facebook, Twitter und Google+ sind in aller Munde – doch obwohl viel über sie gesprochen (und auch geschrieben) wird, sind diese Social-Media-Plattformen noch nicht bei der breiten Bewerbermasse angekommen, wie Jan Kirchner bestätigt. Der Partner bei der deutschen Social-Media-Recruiting-Agentur „atenta“ sowie Mitgründer des Recruiting-Blogs „Wollmilchsau“ organisierte die „Social Media Recruiting Conference“, die Donnerstag und Freitag in Wien stattfand (siehe Infobox). Ein Thema, das noch keine Breitenwirkung entfalten konnte: „Social Media steckt in Österreich – genauso wie in Deutschland und der Schweiz – noch in den Kinderschuhen.“

Dabei können sich die großen sozialen Netze nicht über mangelnde Beliebtheit hierzulande beklagen: Etwa 2,78 Mio. Österreicher haben ein Facebook-Profil, 450.000 sind auf dem deutschen Businessnetzwerk Xing und 180.000 auf dessen internationaler Konkurrenz LinkedIn registriert, erklärt Kirchner. Hinzu kommen laut Social Media Radar Austria noch über 82.000 Twitter-User. Tendenz – in allen großen Netzwerken – steigend.

„Komisch, nichts zu finden“

Kirchner ist sich allerdings sicher, dass Social Media noch stärker an Bedeutung im Recruiting gewinnen wird. „Denn natürlich werden alle Bewerber, auf die es bei der Job-Entscheidung wirklich ankommt, bereits jetzt vom Personalverantwortlichen gegoogelt“, so der deutsche HR-Fachmann. „Bei Kandidaten bis zu 45 Jahren ist es dann eher komisch, wenn man nichts im Netz über sie findet.“ Der eigene „digitale Fußabdruck“ ist bei der Bewerbung entscheidend. Die folgenden Punkte sollten Kandidaten daher beachten:

Auswahl. Businessplattformen wie Xing oder LinkedIn haben einen anderen Charakter als Facebook. Die wichtigste Funktion von ersteren sei, gefunden zu werden. „Daher spricht man bei ihnen oft auch nur von halbsozialen Netzwerken.“ Die Interaktion stehe – im Gegensatz zum globalen Freundesnetzwerk – auf diesen Plattformen nicht im Zentrum, wie Kirchner bestätigt. Auch bei Google+ und vor allem Twitter steht der Dialog im Vordergrund.

Zeit. Profil erstellt und das war es – so einfach gehe es nicht, sagt Kirchner. Social-Media-Aktivitäten kosten Zeit, die sollte möglichst gut investiert sein. Dazu gehört neben den eigenen Postings vor allem der Austausch mit anderen Usern sowie die Kontaktpflege. Da Zeit eine Ressource ist, von der jeder Berufstätige meist nicht genug hat, sollte man sowohl die Auswahl der Netze wie auch deren „Betrieb“ entsprechend den eigenen Zeitressourcen wählen.

Aktualität. „Nichts ist so schlimm wie ein verwaistes Profil“, sagt Kirchner. Wer sich  im Web 2.0 gut präsentieren möchte, der sollte auch regelmäßig dort kommunizieren. Wobei der zeitliche Aufwand je nach Plattform verschieden ist. Auf Xing reiche es, sein Profil einmal ordentlich zu erstellen und danach bloß berufliche Veränderungen zu vermelden. Kontaktanfragen und Nachrichten könnten – zeitschonend – auch über E-Mail-Benachrichtigungen erledigt werden, ohne dass der eigene digitale Ruf leidet. Wer sich hingegen auf Facebook präsentieren möchte, der sollte in regelmäßigen Abständen etwas über sich preisgeben.

Netzwerk. In diesem Punkt unterscheidet sich die „analoge“ nicht von der digitalen Welt: Stabile Beziehungen brauchen Zeit, bis sie sich entwickeln. „Ein Netzwerk muss ich aufbauen, bevor ich es brauche“, sagt Kirchner. Wer glaube, sich quasi von heute auf morgen eine Vielzahl toller Kontakte im Web 2.0 aufbauen zu können, der irrt gewaltig. „Auch ich habe jetzt ganz andere Kontakte als zu Beginn meiner Social-Media-Zeit.“

Positionierung. Wer auf Google etwas sucht, der sieht meist nur auf die erste Ergebnisseite – nur ein Bruchteil klickt weiter. Genauso ist es auch bei Personalverantwortlichen, die sich ein digitales Bild über einen Bewerber machen wollen. „Wer ein aktives Profil auf vier großen Netzwerken hat, der hat schon gewonnen“, sagt Kirchner. Aufgrund ihrer Größe werden Facebook, LinkedIn und Co. von den Suchmaschinen sehr hoch oben gereiht. „Da hat man schnell die halbe Miete.“ Vor allem, weil Personaler, die einen Bewerber googeln, ja nicht „ein Haar in der Suppe suchen, damit sie den Kandidaten ja nicht anstellen.“ 

Partyfotos. Die Angst vieler Kandidaten, dass sie wegen privater Bilder, die sie beim Feiern zeigen, keinen Job bekommen, ist unbegründet. „Der Charakter von Facebook ändert sich“, sagt Kirchner. Während es früher ein rein privates Tool gewesen sei, würde er es jetzt als „semi-beruflich“ einordnen. Auch die Nutzung von Personalverantwortlichen habe sich dadurch geändert. Wer das Profil eines Bewerbers auf Facebook ansieht, der möchte dort sogar etwas über die Person erfahren. „Sozialverhalten wird bei der Auswahl von Kandidaten immer wichtiger“, sagt Kirchner.

Jobangebot. In seinem privaten Umfeld haben bereits Bekannte Jobs über Twitter erhalten, sagt Kirchner. Natürlich seien einige Branchen – wie Kommunikation oder IT – im Recruiting über Social-Media-Kanäle Vorreiter. Social Media Recruiting dürfe man sich allerdings nicht so vorstellen, dass ein Bewerber über Twitter einen Recruiter nach einem Job fragt. Eher fällt jemand aufgrund seiner Beiträge im Kurznachrichtendienst Fachleuten positiv auf. Diese vernetzen sich auch auf anderen Plattformen – wie etwa Xing – und werden bei Gelegenheit für einen Job angesprochen.

Zur Person
Jan Kirchner ist Partner bei der Social-Media-Recruiting-Agentur „atenta“ und Co-Gründer des HR-Blogs „Wollmilchsau“. Letzte Woche veranstaltete er eine Social Media Recruiting Conference (SMRC). Dabei sprachen auch Ralf Tometschek (Identitäter), Friedrich Bardt (Xing AG) oder Jörn Hendrik, ein Experte für Personalmanagement 2.0, über die Rolle von Facebook, Blogs und Co. im Recruiting.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

1 Kommentare
networkfinder.cc
01.07.2012 10:19
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LinkedIn Mitgliederzahl Mai 2012

Insgesamt ein interessanter Artikel. Allerdings ist die Zahl der LinkedIn-Mitglieder in Österreich um 2/3 Twitter-Austria zu korrigieren.

Statt 180.000 sind es laut LinkedIn API-Daten per 31.Mai 2012 ca. 50.000 mehr, also 231.000 Mitglieder. http://www.zoomsphere.com/charts/linkedin/countries/at?session=month&date_start=2012-01-01&date_end=2012-05-31

Grüsse zum hitzefreien Sonntag
http://amzn.to/XINGedIN

Ihr
Michael Rajiv Shah
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