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Stimmungsaufhellung fuer Berufseinsteiger

Stimmungsaufhellung für Berufseinsteiger

29.06.2012 | 10:12 |  Jürgen Leidinger (Die Presse)

Schule und Uni entlassen einen hierzulande nicht in eine problemfreie Zone. Im EU-Vergleich sind die Aussichten dennoch gut. Sechs Gründe, warum man in Österreich frohen Mutes in die Karriere starten kann.

Der Einstieg in den Arbeitsmarkt ist kein Selbstläufer. Hand in Hand mit Problemen, die sich jungen Österreichern heute eröffnen, gehen aber auch neue Chancen. Und nicht alles an den Rahmenbedingungen ist reformbedürftig.

1. Im EU-Vergleich ist der heimische Arbeitsmarkt jugendfreundlich.
Im April lag die Jugendarbeitslosigkeit bei 8,9 Prozent – ein Wert, den im gesamten EU-Raum nur Deutschland unterbieten konnte. Probleme gibt es laut „Erwerbskarrierenmonitoring“ der Statistik Austria vor allem, wenn man direkt nach Pflichtschule oder der AHS einen Job sucht. Dagegen gilt das duale Ausbildungssystem rund um die Lehre als internationales Vorzeigemodell und bedient den Arbeitsmarkt ebenso treffsicher wie die berufsbildenden mittleren Schulen. Absolventen der praktisch kostenfreien Hochschulen finden in mehr als 80 Prozent der Fälle innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss einen Job.

2. Flexibilität wird Alltag, die Stechuhr Museumsgut.
„Der Arbeitsmarkt bewegt sich weg von Vollzeit, hin zu Teilzeit, Leiharbeit, Prekariat“, stellt Othmar Hill nüchtern fest. Für den Wirtschaftspsychologen und Gründer der Personalberatung Hill International gibt es aber auch eine positive Seite: „Es herrscht freie Wahl der Betriebsmittel, des Orts und der Zeit der Arbeit.“ Vor elf Jahren schrieb Hill ein Buch mit dem Titel „Das Ende der Massenmenschhaltung“. Wichtige Vorhersagen von damals, etwa die Befreiung aus der ständigen Abhängigkeit von einem Brotgeber, sieht er als erfüllt. Dass diese Freiheit einhergeht mit Unsicherheit ist besonders dem Österreicher wohlbekannt. Die Unsicherheit ist aber der Preis für die Möglichkeit, sein Berufsleben näher an dem zu gestalten, was den eigenen individuellen Wünschen entspricht.

3. Arbeitgeber: Durchleuchtet wie nie und im Kampf um Talente.
In Bewerbungsgesprächen lügen beide Seiten, heißt es gern. Ob dem wirklich so ist, spielt heute gar keine besondere Rolle: Sozialmedien und Arbeitgeberbewertungsplattformen wie Kununu haben dazu beigetragen, dass man auch als Außenstehender einen recht guten Blick hinter die Kulissen der Arbeitgeber bekommt. Nicht nur deshalb putzen sich Unternehmen für den Bewerbermarkt auf, wie es nur geht. Der Wettbewerb um die besten Talente ist voll entbrannt und äußert sich in Angeboten wie flexiblen Arbeitszeiten, Möglichkeiten zu Sabbaticals und schmucken Büroflächen. Sosehr Bewerber dazu angehalten sind, Eindruck zu machen – Unternehmen stehen mittlerweile ebenso in der Pflicht.

4. Auslandserfahrungen zu sammeln war noch nie so einfach wie heute.
Schon in der Schule gibt es Möglichkeiten, an leistbaren Austauschprogrammen teilzunehmen. „Studenten bieten sich Chancen wie Erasmus, internationale Weiterbildungsmöglichkeiten, postgraduale Angebote und Berufspraktika im Ausland“, sagt Bernhard Wundsam, Geschäftsführer von Uniport, dem Karrierezentrum der Universität Wien. Ihm zufolge werden die meisten Angebote noch immer weniger stark genutzt als möglich. Dabei veredeln solche Erfahrungen jeden Lebenslauf. Selbst für wenig begüterte Studenten ist hier das einzige Hindernis meist der eigene Mangel an Initiative.

5. Österreich ist keine Gründer-Oase, aber sicher auch keine Wüste.
Die bekanntesten Start-up-Zentren mögen anderswo liegen. Trotzdem hat Österreich eine bunte Gründerszene vorzuweisen. „Bei allem, was sich noch verbessern lassen mag: Unsere Förderlandschaft ist sehr gut, in den meisten anderen Ländern gibt es so etwas gar nicht“, sagt Markus Roth, Bundesgeschäftsführer der Jungen Wirtschaft. „Auch die Rahmenbedingungen sind in vielen Bereichen ganz gut.“ Weiters lobt der Jungunternehmer-Lobbyist das duale Ausbildungssystem, das Lehrlinge gut ans Unternehmertum heranführe, und die soziale Stabilität, von der auch Arbeitgeber profitieren. 

6. Orientierung in der Berufswelt bleibt ein Alleinstellungsmerkmal.
„Das Bildungssystem bietet keine Orientierung für die Berufswahl“, sagt Hill. Deshalb würden viele die Entscheidung aufschieben und in überfüllten Massenstudien landen. Oder nach wenigen Bewerbungen die erstbeste Zusage annehmen und dann oft ein ganzes Leben in einer Branche verbringen, die nicht zur Persönlichkeit passt. Die gute Nachricht daran? Ein Bewerber, der einen Bereich gefunden hat, für den er Leidenschaft verspürt, und plausibel argumentieren kann, warum er in die Branche, den Job, das Unternehmen passt, rennt bei Personalisten offene Türen ein. Und für Berufseinsteiger ist es dafür noch nicht zu spät. Sie sollten sich genügend Zeit nehmen, die eigenen Neigungen zu erforschen und Berufsbilder zu finden, die dazupassen könnten. „Die Neigung definiert die Eignung“, sagt Hill. Leistung und Erfolg folgen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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