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Great Place Work Noch

Great Place to Work: "Noch nicht das richtige Bewusstsein"

25.06.2012 | 12:23 |  Juergen Leidinger (Die Presse)

Nur ein „rein“ heimisches Unternehmen ist in der europäischen Bestenliste vertreten. Erich Laminger, Österreich-Geschäftsführer der Arbeitgeberbewertung, über die Lücke zu den Allerbesten und Anzeichen für einen guten Arbeitgeber.

Die Presse: Gibt es für Sie Überraschungen im Europa-Ranking der „besten Arbeitgeber“?
Erich Laminger:
Überrascht hat mich nichts. Aber mich stört, dass wir als Österreicher weniger stark vertreten sind als gewünscht. Viele Länder in einer ähnlichen Größe, von Dänemark bis Portugal, haben besser abgeschnitten. Bei unserem Anspruch auf Exzellenz, auch was den Lebensstandard betrifft, müssten wir hier ein klareres Zeichen setzen können.

Außer hierzulande vertretenen Multinationals und Ardex hinkt Österreich offenbar etwas nach. Warum?
Ein Problem ist, dass es uns noch nicht gelungen ist, Unternehmen mit 250–1000 Mitarbeiter in ausreichendem Maß zu mobilisieren. Da ist es ein bisschen wie mit der Katze, die sich in den Schwanz beißt. Denn im Ranking sind Dienstleister, die IT-Branche, Banken und Versicherer überproportional stark vertreten. Die produzierenden Betriebe nähern sich nur langsam an – weil sie eben auch so wenige von ihresgleichen in den Rankings sehen. Eigentlich ist der Branchenunterschied für die Befragung aber relativ gering. Außerdem blamiert sich niemand: Veröffentlicht wird ja nur die Liste der Besten.

Die Skandinavier machen es offensichtlich besser.

Wir haben anscheinend noch nicht das richtige Bewusstsein entwickelt. Wir wollen zwar zur Spitze gehören. Aber diese Spitze kann man nur erreichen mit unserer in Wahrheit einzigen Ressource, den Menschen und ihrem Geist. Ansonsten wird es dauerhaft nicht funktionieren.

Woran könnte ich erkennen, wie mein eigener Arbeitgeber abschneiden würde?

Sicher schon an der Grundstimmung, die ich verspüre. Wenn etwa spätestens beim Reinkommen alle ein eisiges Gesicht machen, man sich auf den Gängen nicht grüßt. Oder umgekehrt dort, wo beispielsweise nach Dienstschluss – oder in der heutigen, eher flexiblen Arbeitswelt eben in Zeiten, in denen viele der Mitarbeiter den Arbeitsplatz verlassen –  die Leute noch etwas plaudern, ein paar Worte wechseln, bevor sie gehen, sich auch zwanglos über die Abteilungsgrenzen hinaus austauschen. Verspürt man eine gewisse Lebhaftigkeit? Ich bilde mir ein, da kann man schon klare Unterschiede erkennen unter den vielen Unternehmen, die ich sehe.

Was unterscheidet gute Arbeitgeber von den besten im Ranking?
Massive Unterschiede zeigen sich, was die Kommunikation zwischen Führungskräften und Mitarbeitern betrifft. Finde ich leicht eine Möglichkeit, mit meinem Chef zu sprechen? Wie offen wird über Probleme, aber auch Erfolge gesprochen? Auf die Frage: „Lassen Führungskräfte ihren Worten Taten folgen?“ gibt es in den Ergebnissen Unterschiede bis zu 23 Prozentpunkten zwischen den Guten und den Besten. Bei der Frage, ob Führungskräfte ihre Versprechen halten, beträgt der Abstand sogar 25 Prozentpunkte. Ebenso groß ist der Abstand beim Berücksichtigen der Vorschläge aus den Reihen der Mitarbeiter.

Wirtschaftlicher Erfolg und Misserfolg beeinflussen das Arbeitsklima auf vielfältige Weise. Können strauchelnde  Unternehmen zu den „besten Arbeitgebern“ gehören?
Ich bin zumindest davon überzeugt, dass die Untersuchung Unternehmen in jeder Lage helfen kann. Gerade in schwierigen Situationen ist ein Team-Spirit und ein starkes Engagement der Mitarbeiter eine enorme Hilfe. Es gab und gibt Unternehmen, die sogar in Phasen personeller Umstrukturierungen hervorragend bewertet wurden. Als ich selbst als Personalchef tätig war, lautete meine Maxime in solchen Phasen immer: All das muss so ablaufen können, dass man – wenn auch vielleicht noch nicht morgen – zumindest übermorgen nicht den Gehsteig wechseln muss, wenn man einander zufällig auf der Straße trifft.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.6.2012)

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