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Bild: Pixabay 

Was Juristen heute verdienen

09.06.2017 | 13:06 |  Andrea Lehky (Die Presse)

Auf dem Land kämpfen Wald-und-Wiesen-Anwälte ums Überleben, in der Hauptstadt cashen rare Spezialisten ab. Und Großkanzleien zahlen noch immer Spitzengehälter.

Es beginnt bei den Konzipienten. Irgendwo zwischen 2000 und 3500 Euro Monatsbrutto liegt ihr Einstiegsgehalt. In Einzelfällen sogar bei 4000 Euro, sagt das Fachmagazin „Juve“. Die Branche bestätigt das und gibt „Juve“ Mitschuld an der eklatanten Spreizung der Einsteigersaläre. Nachdem das Magazin diese erstmals veröffentlicht hatte, schaukelten sich die Top 25 der Wiener Citykanzleien im Kampf um die besten Köpfe gegenseitig auf. Die Kleinen und die Kanzleien außerhalb Wiens können da nicht mithalten.

Extra viel lukriert auch, wer sich auf regulatorische Themen rund um den Finanzmarkt spezialisiert hat. Ein Paradoxon, sagt Susanne Hochwarter, Geschäftsführerin von Lawyers & more: „Obwohl die heimischen Banken so viele Mitarbeiter freisetzen, können sie regulatorische Spezialisten nicht besetzen. Das steigert deren Wert ins nicht mehr Nachvollziehbare.“

Sechsstellig für Inhouse

Gemeint sind sechsstellige Jahresbrutto-Beträge für solche Inhouse-Juristen, selbst wenn sie nur fünf Jahre Berufserfahrung mitbringen – eine Rarität außerhalb der großen Kanzleien. Mit einem Generationenwechsel habe das nichts zu tun: Vor zehn Jahren gab es diese Positionen noch gar nicht.

Alfred Berger, Leiter Compensation Management bei Kienbaum in Wien, fällt auf, dass den Wünschen junger Juristen nach flexiblen Tages- und Wochenarbeitszeiten heute gern entsprochen wird. All-in-Verträge verlieren an Bedeutung zugunsten von Projektarbeit. Allerdings genügt juristische Expertise für eine Karriere im Unternehmen nicht mehr: „Das Geschäftsmodell steht im Vordergrund. Der Inhouse-Jurist muss es verstehen und möglich machen.“

Im Klartext bedeutet das satte Kenntnis der betriebswirtschaftlichen und technischen Rahmenbedingungen. Als Belohnung wächst dann auch das Gehalt stark an.

Anwälte ohne Maserati

Wer glaubt, dass in Kanzleien alle Anwälte Maserati fahren, der irrt. Die Partner in den Großkanzleien könnten ihn sich locker leisten, weiß Gehaltsexperte Conrad Pramböck, neuerdings Geschäftsführer von Upstyle Consulting. Die kleineren Kanzleien aber beklagten immer mehr Konkurse. Bei oft nur mehr 150.000 Euro Jahresumsatz ließe sich nicht einmal mehr die (fünfstellige) Kammerumlage bezahlen. „Am meisten kämpfen Wald-und-Wiesen-Anwälte, die den Hauskauf ihrer Mandanten genauso abwickeln wie später die Scheidung.“ Das mag auf dem Land da und dort noch funktionieren, in der Stadt aber rät Pramböck jedem Anwalt zu einer klaren Spezialisierung. In den Großkanzleien werde man dazu regelrecht aufgefordert: Pramböck erzählt von einem Anwalt, der heute ausschließlich vom VW-Abgasskandal bestens lebe.

Zwei Gemeinsamkeiten fallen allen drei Experten auf. Erstens, die Konkurrenz, vor allem in Wien, wurde größer. Das macht sowohl Selbstvermarktungstalent als auch eine glückliche Hand bei der Wahl der richtigen Nische überlebenswichtig. Zweitens, viele erkennen erst nach einem langen, steinigen Ausbildungs- und Praxisweg, dass ihnen der Beruf gar nicht liegt. Vielleicht sollten sie sich damit schon früher auseinandersetzen.

1 Kommentare
dak-arg
13.06.2017 12:11
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Sind das die die sich am Juridicum auf Whatsappgruppen unterhalten?
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