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Erich Laminger

"Vertrauen auf Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness"

11.04.2013 | 12:51 |  Nikolaus Koller (DiePresse.com)

Am besten bei den "Besten Arbeitgebern" bewerben? "Ich muss in das Unternehmen passen", sagt "Great Place to Work"-Geschäftsführer Erich Laminger.

Wenn es schon „Beste Arbeitgeber“ gibt, dann sollte ich als Bewerber wohl versuchen, möglichst dort anzuheuern?
Ich kann sicher sein, dass bei ausgezeichneten Unternehmen, die das Gütesiegel „Österreichs Beste Arbeitgeber“ führen dürfen, die Grundlage für optimale Arbeitsbedingungen gegeben ist. Trotzdem muss ich von meiner Art und meiner Arbeitsweise her auch in ein Unternehmen passen; hier spielt das Thema des Cultural Fit eine große Rolle.

Im Ernst: Wie erlebe ich als Mitarbeiter einen „Besten Arbeitgeber“?
Bei einem "Besten Arbeitgeber" kann ich darauf vertrauen, dass meine Führungskräfte die Werte wie Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness als wichtig erachten und diese auch im Arbeitsalltag (vor-)leben. Ich kann davon ausgehen, stolz auf das Unternehmen sein zu können, in dem ich arbeite und auf die Tätigkeit, die ich dort leiste. Und ich kann darauf vertrauen, in einem Team zu arbeiten, das zusammenhält.

Heißt ein „Bester Arbeitgeber“ zu sein automatisch, dass mein Arbeitsumfeld als Mitarbeiter hervorragend ist und sich meine Führungskraft vorbildlich verhält?
Bei den Unternehmen, die "Great Place to Work" jedes Jahr als „Österreichs Beste Arbeitgeber“ vorstellt, wird im Zuge einer Mitarbeiterbefragung von durchschnittlich mehr als 75 Prozent der Mitarbeiter angegeben, dass das Arbeitsumfeld alles in allem als hervorragend empfunden wird und sich auch die Führungskraft dementsprechend glaubwürdig, fair und respektvoll verhält. Natürlich gibt es selbst bei den "Besten Arbeitgebern" Ausnahmen von dieser Regel: Kollegen, die nicht ins Team passen oder Führungskräfte, die ihre Kompetenzen überschreiten. Generell spielt auch hier das Thema Cultural Fit wieder eine vorrangige Rolle: Passe ich zu meinem Arbeitgeber und dessen Rahmenbedingungen?

Was kann ich aus Arbeitgeberrankings – es gibt ja einige solche Befragungen – für mich als Bewerber ableiten?
Auf unsere Wertung bezogen, die ja vor allem auf den Ergebnissen einer Mitarbeiterbefragung im Unternehmen beruht, würde ich daraus generell einmal ableiten, dass das Thema Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeitermotivation für das Unternehmen ein wichtiges ist, mit dem es sich aktiv beschäftigt und wo es kontinuierlich versucht, Verbesserungen herbeizuführen. Für den potenziellen neuen Mitarbeiter also definitiv ein Arbeitgeber, dem mein Feedback wichtig ist und bei dem ich mich vermutlich auch in wichtige Entscheidungen und Ideen das Unternehmen betreffend einbringen kann. Die "Great Place to Work"- Mitarbeiterbefragung ist immer entweder eine Vollbefragung oder eine Stichprobenbefragung, die in jedem Fall repräsentativ für die gesamte Mitarbeiterschaft des Unternehmens ist. Damit ist gewährleistet, dass dieses Arbeitgeberranking und damit die Auszeichnung „Österreichs Beste Arbeitgeber“ nicht auf einer beliebig entstandenen Gruppierung von Meinung machenden (ehemaligen) Mitarbeitern beruht.

Wie viel Gewicht sollte ich auf die Ergebnisse solcher Rankings im Vergleich zu anderen Informationen über das Unternehmen legen?
Prinzipiell kann ich davon ausgehen, dass bei einem "Besten Arbeitgeber" hervorragende Rahmenbedingungen herrschen. Dann ist es wieder ein Thema des Cultural Fit, ob ich in die Unternehmenskultur passe, mich im Team eingliedern kann, eine vertrauensvolle Beziehung zu den Führungskräften aufbauen kann, ob ich der Arbeitsbelastung gewachsen bin und so weiter. Insofern sollte ein Arbeitgeberranking niemals die einzige Entscheidungsgrundlage sein.

Kommen wir zurück zu „Great Place to Work“: Wie werde ich ein „Bester Arbeitgeber“?
Wie bereits erwähnt basiert unsere Auszeichnung primär auf den Ergebnissen einer standardisierten und somit auch extern und international benchmarkfähigen Mitarbeiterbefragung, die in allen Unternehmen, die sich bei uns bewerben, durchgeführt wird. Zusätzlich werden die Unternehmen gebeten, im Rahmen eines schriftlichen Audits Personalmaßnahmen, Programme und Konzepte, die im Unternehmen gelebt werden, zu beschreiben, damit wir uns auch in diesen Bereich Einblick verschaffen können. Ein von Great Place to Work ausgezeichneter „Bester Arbeitgeber“ wird man, indem man im Unternehmensalltag die Grundwerte Glaubwürdigkeit, Respekt und Fairness sowie Teamgeist und alles, was zum Entstehen von Stolz auf die eigene Tätigkeit und die Leistungen des Unternehmens beiträgt, tatsächlich lebt. Es geht dabei vor allem um die vielen Kleinigkeiten des Zusammenlebens im beruflichen Leben, die im positiven Fall „kleine Freudenspender“ sind, im negativen Fall aber störend bis verletzend sein können.

In Kürze werden die „Besten Arbeitgeber“ wieder ausgezeichnet. Können Sie schon etwas über die Ergebnisse verraten? Gibt es gewisse Trends?
Erfreulicherweise haben wir einen kontinuierlichen Anstieg in Bezug auf die Zustimmungswerte bei den Mitarbeiterbefragungsergebnissen, das heißt die Unternehmen, die sich als "Beste Arbeitgeber" bewerben, werden offensichtlich aus Sicht der Mitarbeiter auch wirklich zu immer besseren Arbeitgebern. Wir verzeichnen dieses Jahr ein enorm starkes Wettbewerbsfeld unter den teilnehmenden Unternehmen, was die Auszeichnung als „Österreichs Beste Arbeitgeber“ immer wertvoller macht.

Zur Person
Erich Laminger studierte Rechtswissenschaften in Wien. 1972 startete er seine Managerlaufbahn in der Elektroindustrie. Er war in diesem Bereich HR-Direktor mehrerer österreichischer Unternehmen und wurde als führender Arbeitgebervertreter der Elektro- und Metallindustrie während den Kollektivvertragsverhandlungen bekannt. Ab 1994 war er vornehmlich als Unternehmensberater tätig und ist seit 2004 eingetragener Mediator. Seit 1. Juli 2010 leitet Erich Laminger das Great Place to Work Institute in Österreich, das unter anderem für den Wettbewerb "Österreichs Beste Arbeitgeber" verantwortlich zeichnet.

1 Kommentare
Frau Bachler
23.04.2013 08:41
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