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Susanne Hochwarter

"Keine unnötigen Extravaganzen"

14.03.2013 | 16:55 |  Nikolaus Koller (DiePresse.com)

Beim Kleidungsstil rät Susanne Hochwarter Bewerbern zum Business-Outfit. Die Karriereverläufe seien nicht mehr so geradlinig, so die auf den juristischen Bereich spezialisierte Personalberaterin.

Wie verlaufen juristische Karrieren heute? Sind es noch immer die Kernberufe, welche am attraktivsten sind?
Susanne Hochwarter: Juristische Karrieren verlaufen sicher nicht mehr so geradlinig wie noch vor einigen Jahren. Ein Jus-Abschluss kann die Basis für ganz unterschiedliche Berufslaufbahnen sein. Durch das Wirtschaftsrecht-Studium  ist diese Vielfältigkeit noch ausgeprägter. Die Frage nach der Attraktivität richtet sich stark nach den Prioritäten der einzelnen Absolventen. Immer öfter sind nicht das „große Geld“ sowie gesellschaftliches Ansehen und/oder Macht und Einflusss die Triebfedern.

Was sind die "Must haves", die in allen Bereichen von Jus-Absolventen erwartet werden?
Eine klare Sprache, Formulierungsgeschick und die Fähigkeit auf den Punkt zu kommen. Weiters strukturiertes Denken sowie eine lösungsorientierte Herangehensweise.

In der Justiz ist der Prozess sehr speziell: Er führt über das Gerichtsjahr, viele Prüfungen zum Richteramtsanwärter. Erst nach weiteren Hürden wird man Richter. Worauf müssen Einsteiger bei dieser Karriere achten?
Gerade bei der Berufswahl „Richter und Staatsanwalt“ sollte man neben den Annehmlichkeiten wie geregelte Arbeitszeiten und problemloser Wiedereinsteig nach Karenzzeiten, die gesellschaftliche Verantwortung und die persönliche Motivation, diese auch tragen zu wollen, hinterfragen. Das Ausleseverfahren ist langwierig, es bringt meiner Einschätzung nach aber keinen Nachteil, wenn man zwischendurch abspringt und sich anders orientiert. Die bis dahin erworbenen Assets sind für viele Tätigkeitsbereiche wertvoll.

Im Öffentlichen Bereich - wie beispielsweise Ministerien - gelten wohl wieder andere Spielregeln?
Karrieren im Öffentlichen Dienst sind für Universitätsabsolventen, unabhängig von der fachlichen Ausrichtung, weniger dynamisch als in der Privatwirtschaft, dafür stetig und gut planbar. Speziell für Juristen sind die Möglichkeiten, im „Staatsdienst“ Karriere zu machen, mannigfaltig. Allerdings kann ein Wechsel vom Öffentlichen Dienst in die Privatwirtschaft bereits nach wenigen Jahren sehr schwer werden.

Stark in der Diskussion sind vor allem die Wirtschaftssozietäten. Worauf sollte man hier vor allem achten?
Unabhängig vom endgültigen Berufsziel, sind zwei bis drei Jahre als Rechtsanwaltsanwärter in einer Wirtschaftsanwaltskanzlei jedem Absolventen zu empfehlen. Ein Blick auf aktuelle Stellenausschreibungen sagt alles: Egal ob in Industrieunternehmen, Banken oder im öffentlichen Dienst, fast immer ist Berufserfahrung als Rechtsanwaltsanwärter eine Voraussetzung. Möchte man nicht Anwalt werden, sollte man darauf achten, dass die fachlichen Inhalte, mit denen man sich in der Kanzlei beschäftigt, mit der zukünftig angestrebten Tätigkeit in Zusammenhang stehen!

Sollte man hier jedenfalls mit Partner, mit dem man später arbeitet, Kontakt gehabt haben?
Persönliche Sympathien oder Antipathien sind entscheidend für Arbeitszufriedenheit, Wissenszuwachs und Weiterkommen auf der Karriereleiter! Daher gilt immer: wenn möglich ein längeres Gespräch mit dem zuständigen Partner führen, bevor man den Dienstvertrag unterschreibt!

Gerade in Sozietäten ist der Kleidungsstil ist ein Thema. Wie sollten Kandidaten wirken?
In traditionellen Berufen wie Anwalt, Wirtschaftsprüfung oder Bank ist Businessoutfit noch immer unabdingbar. Vieles hat sich in den vergangenen Jahren gelockert, doch sollte man sich gerade beim Karrierestart kein unnötigen Extravaganzen leisten! Sobald man etabliert ist, sind extravagante Outfits oft ein Markenzeichen und kein Affront!

Immer öfter gibt es auch Quereinsteiger, die den Weg in die Wirtschafssozietäten wagen. Was raten Sie diesen Bewerbern?
Erfolg oder Misserfolg beim Quereinstieg in eine Wirtschaftssozietät hängt entscheidend vom beruflichen „Vorleben“ des Kandidaten ab! Der spätberufene Anwalt sollte bereits eine fachliche Nische besetzt haben und über relevante Kontakte verfügen, die Mandate nach sich ziehen.

Zur Person.
Susanne Hochwarter ist Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin von lawyers & more executive search & consulting gmbh, dem österreichischen Marktführer in Sachen Juristenkarrieren.

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