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Klout Keine Kennzahl fuer

Klout: Keine Kennzahl für Kandidaten

17.01.2013 | 16:16 |  Nikolaus Koller (DiePresse.com)

Bewerbung: Personal-Marketing-Experte Jan Kirchner erklärt, warum der Dienst "im Gegensatz zu anderen Social Media keinen Mehrwert liefert."

Wie hoch ist Ihr Klout Score?
Ich weiß es nicht und unterhalte keinen Account bei Klout.

Warum wissen Sie das nicht?
Mir erscheint die Aussagekraft des Klout-Score zu begrenzt, als das ich meine ohnehin schon zu knappe Social Media-Zeit darauf verwenden würde. Wenn ich in meiner Branche meinen Einfluss steigern möchte, mache ich mir lieber ein paar grundlegende Gedanken und schreibe einen Blogpost zu einem Thema meiner Wahl, als meinen Klout-Score dadurch hochzutreiben, dass ich durch Spam-Post das Signal-to-Noise Ratio im Web weiter verschlechtere.

Welche Relevanz hat der Dienst im Vergleich zu anderen Social Media?
Für mich persönlich keine. Denn während andere Social-Media-Dienste "echte" Bedürfnisse erfüllen, die eine Vielzahl von Nutzern haben, wie zum Beispiel Netzwerken oder Bilder teilen, tut Klout dies nicht. Oder anders ausgedrückt, Klout liefert im Gegensatz zu anderen Social Media keinen Mehrwert.

Zur Erklärung: Wie setzt sich dieser Score zusammen?
Der Klout-Score eines Nutzers wird anhand unterschiedlicher Formen der sozialen Interaktion dieses Nutzers im Social Web errechnet. Der Einfluss wird in einer Zahl zwischen 1 und 100 ausgedrückt – wobei 100 das zu erreichende Maximum darstellt. So bekommt Person X, mit vielen Followern, Retweets, Facebookfreunden, Likes etc. einen dementsprechend höheres Gewicht zugeordnet. Welche Dienste der Score aktuell einberechnet, kann man auf der Klout-Website einsehen. Zudem errechnet Klout ein Typen- und Themenprofil und kennzeichnet, wer wen beeinflusst.

Aber dieser Wert liefert eine harte Kennzahl in der sonst so schwammigen Social-Media-Welt. Wird er daher nicht an Bedeutung gewinnen?
Das denke ich persönlich nicht. Zum Einen bin ich der Ansicht, dass "Einfluss" als Größe per se zu komplex ist, um in einer einzigen Zahl ausgedrückt werden zu können. Zum anderen erscheint die Social-Media-Welt den meisten Menschen deshalb so schwammig, weil sie so vielfältig ist und ihre Messung auch eine Vielfalt von Kennzahlen erfordert. Klout entspricht hier sicher dem vielfachen Wunsch nach Komplexitätsreduzierung  aber je nachdem, ob ich etwas aus Marketing-, Recruiting- oder Vertriebsperspektive messen möchte, benötige ich eine andere Kennzahl.

Ist es wichtig für Bewerber, nach einem hohen Score zu trachten? In den USA scheint er in einigen Branchen schon eine Rolle zu spielen.

Aus meiner Sicht spielt der Klout-Score für Arbeitnehmer keine Rolle. Ausnahmen bestätigen vielleicht auch hier die Regel; wobei die aus der US-amerikanischen Online-Marketing-Szene bekannt gewordenen Beispiele für mich eher nach PR klangen als nach einer begründbaren Job-Anforderung.


Zur Person
Jan Kirchner ist Partner der auf Social Media Recruiting spezialisierten Digitalagentur atenta, die für ihre Arbeit 2012 mit dem HR-Excellence-Award ausgezeichnet wurde. Zusammen mit seinen Kollegen betreibt er das Social Recruiting Blog "Wollmilchsau". Außerdem ist er Co-Autor des Praxishandbuchs "Online-Personalsuche" und hält regelmäßig Vorträge und Workshops zu den Chancen von Social Media für Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting.

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