Interview: Wie Xing der Karriere helfen kann
25.06.2012 | 09:43 | (DiePresse.com)
Wie man das Online-Netzwerk für den Job nutzen kann, erklärt Österreich-Chef Robert Beer im Gespräch.
Wieso sollte ich mich für Xing statt für LinkedIn entscheiden?
Robert Beer: Xing ist mit 5 Millionen Mitgliedern klarer Marktführer im deutschsprachigen Raum. Das heißt auf keinem anderen beruflichen Netzwerk finden Sie hier mehr Kontakte als bei uns. In einem sehr wichtigen Punkt unterscheiden wir uns grundlegend von unserem Mitbewerber. Unsere Vision war immer schon, zwischen Menschen einen Kontakt herzustellen, die sich bisher nicht kannten, aber über gemeinsame Anknüpfungspunkte für geschäftliche Beziehungen verfügen. Darauf sind wir vom Produkt und Geschäftsmodell her ausgerichtet. Und das erklärt auch, warum wir eine höhere Aktivität haben, Xing ist eben nicht nur eine Ansammlung von Lebensläufen und Adressbüchern. Bei uns hat jeder Nutzer Zugriff auf alle Profile, während das Geschäftsmodell des Mitbewerbers darauf aufbaut, den Zugang zu den Nutzerprofilen nicht einfach zu ermöglichen, sondern zu verkaufen. Wir sind der Meinung, dass ein „Netzwerk“ dazu dienen sollte, sich zu vernetzen.
Welche Daten sollte ich in meinem Xing-Profil jedenfalls angeben?
Alles, was Sie auch in einem formellen Lebenslauf nennen würden. Je mehr Sie auf Ihre beruflichen Interessen und Qualifikationen eingehen, desto eher werden sie potenzielle Arbeit- oder Auftraggeber finden. Und: Ein Business-Netzwerk bringt nur dann viel, wenn man es auch wirklich nutzt. Seien Sie aktiv – vernetzen Sie sich in Gruppen und diskutieren Sie mit, vielleicht sogar als Moderator einer Gruppe.
Gibt es Informationen, die ich nicht preisgeben sollte?
Grundsätzlich gibt es eine einfache Regel. Was Sie Ihrem potenziellen Arbeitgeber, Kunden oder Auftraggeber nicht auch persönlich sagen würden, sollten Sie auch nicht online posten. Und Sie sollten, auch wenn Sie gerade in Ihrem Job unglücklich sind, diese Tatsache nicht in einem Sozialen Netzwerk kundtun. Besser Sie nutzen eine Funktion, die auf Xing nur für Recruiter sichtbar ist. Sie können hier angeben, dass Sie grundsätzlich Interesse an einer beruflichen Veränderung haben, ohne dass diese Info für andere Mitglieder beziehungsweise Ihre Kontakte sichtbar ist.
Welche Vorteile hat Xing gegenüber anderen Netzwerken?
Dazu könnte ich Ihnen jetzt ganz viel sagen. Drei Punkte möchte ich jedoch besonders hervorheben: Zunächst ermöglicht Ihnen Xing, eine digitale Visitenkarte von sich im Netz anzulegen. Dabei bestimmen Sie selbst, welche Informationen von Ihnen online erscheinen. Zudem schafft Xing die Voraussetzungen für echte Vernetzung. Das heißt, dass jedes Mitglied mit jedem anderen Mitglied in Kontakt treten und sich vernetzen kann. Alle Xing-Mitglieder können sich alle Profile im Netzwerk ansehen, ohne dafür zu bezahlen. Und wer sich für Xing entscheidet, vernetzt sich nicht nur online: Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig und eine Vertrauensgrundlage für geschäftliche Beziehungen. Über Xing werden jährlich 180.000 Events organisiert – davon 12.000 in Österreich. Zudem gibt es Gruppen, in denen sich Mitglieder aktiv austauschen und zu den verschiedensten Themen, fachspezifisch oder regional diskutieren. In Summe gibt es über 50.000 solcher Fachgruppen und fast jedes zweite Mitglied in DACH ist in mindestens einer dieser Gruppen aktiv.
Und der dritte Punkt...
Als dritten Punkt ist der Datenschutz zu nennen: Xing verschlüsselt bereits in der Standardeinstellung den kompletten Datenverkehr für eingeloggte Mitglieder. Als deutsches Unternehmen unterliegen wir den strikten deutschen bzw. europäischen Datenschutzbestimmungen und bieten damit einen Schutz, den beispielsweise amerikanische Anbieter nicht bieten.
Wo sehen Sie noch Aufholbedarf?
Ich denke, wir sind sehr gut aufgestellt. Unser Fokus liegt auf dem deutschsprachigen Raum. Hier haben wir im ersten Quartal 2012 das höchste Mitgliederwachstum seit drei Jahren erzielt. Mein persönliches Ziel als Country Manager in Österreich und der Schweiz ist, die Gruppen vor Ort in den Regionen noch mehr zu unterstützen und Xing Ambassadors aufzubauen, die vor Ort Aktivitäten setzen.
Mit wem sollte ich mich vernetzen, um meine Chancen zu erhöhen? Mit dem Personalberater? Dem Recruiter?
Karriere und Geschäft leben von guten Kontakten. Während früher Networking und Vitamin B den Eliten vorbehalten war, sind Kontakte heute allen zugänglich – gerade wegen Internet und Plattformen wie Xing. Mein persönlicher Ansatz ist, vernetzen Sie sich mit den Menschen, die Sie im beruflichen Umfeld getroffen haben – auch auf Xing. Das erleichtert später die erneute Gesprächsaufnahme. Selbst nach einem Jahr kann man über Xing einfach eine Nachricht schicken und sich auf das damalige Gespräch berufen. Kurz: Man bleibt besser in Erinnerung beziehungsweise kann sich einfacher wieder in Erinnerung rufen.
Kann mein aktueller Arbeitgeber die Suche bemerken?
Wenn Sie neue Kontakte aus dem Personalberater- und Recruiting-Bereich hinzufügen und Sie Ihren Chef auch als Kontakt haben, kann dieser diese neuen Kontakte sehen. Und sich vielleicht seinen Teil denken. Wenn Sie das vermeiden möchten, können Sie Ihre Kontakte auch vor anderen Mitgliedern verbergen. Haben Sie grundsätzlich Interesse, ihren Job zu wechseln, können Sie das mit der Angabe „offen für neue Karrierechancen“ in Ihrem Profil anzeigen – ohne dass es für Ihre Kontakte sichtbar ist. Diese Einstellung können nur registrierte Recruiter sehen.
Sollte ich mich direkt über Xing bewerben oder doch eher "klassisch"?
In gewisser Weise ist das eigene Xing-Profil eine ganz persönliche Bewerbung, mit dem Sie sich als Berufstätiger potentiellen Arbeitgebern präsentieren und empfehlen können. Auch wenn Sie sich klassisch mit CV per Mail bewerben, Ihr potenzieller, neuer Arbeitgeber wird ziemlich sicher auf Xing nachschauen, ob und in welcher Form Sie dort präsent sind. Die Frage, ob man sich über Xing oder klassisch bewerben sollte, hängt von der Angabe in der jeweiligen Job-Anzeige ab. Übrigens gibt es bei den Jobanzeigen, die Sie auf Xing finden, eine neue Funktion: Diese erlaubt es potenziellen Kandidaten, dem Personaler des Unternehmens mit nur einem Klick sein Interesse an dem Job zu bekunden. Der Ansprechpartner des Unternehmens erhält daraufhin per Mail einen unverbindlichen Hinweis, dass sich derjenige für den Job interessiert. Wenn das Profil des potenziellen Kandidaten passt, kann der Personaler direkt Kontakt mit ihm aufnehmen.
Zur Person:
Robert Beer (43) verantwortet als Country Manager für das Internet Business Netzwerk Xing die Entwicklung und
Umsetzung der regionalen Strategien in Österreich und der Schweiz. Zu seinen Aufgaben zählen der Ausbau enger Beziehungen zu wichtigen strategischen Partnern vor Ort und die Steigerung der Markenbekanntheit in beiden Ländern.















