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Bild: Pixabay 

Wie man ein Assessment Center überlebt (9/14)

06.11.2017 | 05:00 |   (DiePresse.com)

Serie. Sie kennen es schon vom Bewerbungsgespräch: das strukturierte Interview. Im AC wird Ihnen nochmals auf den Zahn gefühlt.

Ein Bewerber sitzt mehreren Interviewern gegenüber, die ihm ausgefeilte Fragen stellen. Nicht zufällig erinnert Sie diese Situation an Ihr Bewerbungsgespräch. Im AC geht es damit um zweierlei. Erstens, nochmals zu evaluieren, wie gut Sie auf die Stelle passen. Zweitens, Ihre Fähigkeit zur Selbstreflexion abzuklopfen. Manchmal wird auch Ihre Stressfestigkeit getestet.

Gute Vorbereitung macht sich hier besonders bezahlt. Legen Sie sich nach dem P-A-R-Prinzip (Problem - Aktion - Lösung) jeweils zwei bis drei Beispiele aus Ihrer Karriere zurecht:

  • Wann haben Sie erfolgreich Konflikte gelöst,
  • Projekte organisiert,
  • Kunden zufriedengestellt,
  • Veränderungen gestaltet und
  • Mitarbeiter auf den richtigen Weg geleitet? Üben Sie, diese auf Knopfdruck glaubhaft und flüssig vorzutragen (nicht auswendig lernen, nur den roten Faden parat haben).

Mit Sicherheit stellt man Ihnen Fragen zu Ihrer Persönlichkeit („Nennen Sie vier typische Eigenschaften/Ihre Stärken/Ihre Schwächen“). Manchmal hört man, Schwächen so darzustellen, dass sie ohnehin positiv sind. Tun Sie das nicht. Stehen Sie zu Ihren Schwachstellen, aber enden Sie mit einem Ausblick, was Sie sich vorgenommen haben, um sie auszumerzen. Damit beweisen Sie Reflexionsfähigkeit. Natürlich sollten Sie mehr und kraftvollere Stärken als Schwächen in die Waagschale werfen.

Abgeklopft wird auch Ihre Motivation. Warum wollen Sie die Stelle überhaupt? Bauen Sie schon daheim zwei Argumentationslinien auf. Erstens, dass diese Stelle der logische nächste Schritt in Ihrer Karriere ist (Ihre Ist-Situation, mit der Sie Ihren Anspruch auf den Job begründen). Zweitens, was Sie besonders daran reizt (z.B. mehr Verantwortung). "Mehr Geld" sollten Sie nur nebenbei erwähnen. Sie müssen sich aber auch nicht schämen. Geld ist der angemessene Gegenwert für Ihren Beitrag zum Erfolg.

Werden Sie nach Ihren persönlichen Zielen gefragt („Wo möchten Sie in zehn Jahren stehen?“), teilen Sie in kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Bereiten Sie auch Antworten auf Fragen nach Ihren Werten („Wonach richten Sie Ihr Handeln aus?“) und Erfahrungen („Worauf sind Sie stolz?“) vor.

Als Führungskraft müssen Sie auch auf die Themen Mitarbeiterführung („Welchen Führungsstil bevorzugen Sie?“), Zusammenarbeit („Wie gehen Sie mit Kritik um?“) und Kommunikation („Wie steuern Sie Gespräche?“) gefasst sein.

Je höher die Ebene (oder je herausfordernder die Persönlichkeit des Vorgesetzten), desto mehr müssen Sie mit Stressfragen rechnen. Woran Sie die erkennen? Etwa, wenn penetrant auf einem unangenehmen Thema herumgeritten wird. Oder wenn eine Ihrer Aussagen übertrieben zurückgespiegelt oder bewusst falsch interpretiert wird („Meine Schwäche ist, manchmal meinen Mitarbeitern ins Wort zu fallen“ - „Aha, es mangelt Ihnen also an Einfühlungsvermögen.“ - was nichts miteinander zu tun hat). Ganz schlimm: Sie werden offen provoziert („Ach, darauf sind Sie stolz?“)

Der beste Tipp: Bleiben Sie ruhig und führen Sie das Gespräch auf die Sachebene zurück. Es ist nur ein Spiel.

Morgen: Worum es in einer Fallstudie geht.

 

Die Anregungen zu dieser Serie stammen aus der Neuauflage des Klassikers Assessment Center erfolgreich bestehen von Johannes Stärk. Jeden Werktag stellen wir einen Aufgabenblock vor. Und natürlich auch, wie man ihn knackt.

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